Wut

24. Oktober 2009

Rot glühende Wut. Weiß glühende Wut. Bennende Wut.

Sie ist Kraft, sie ist Leben, sie ist Willen.

Sie drängt, treibt, brodelt.

Sie ist gut und heiß und stark.

Sie ist pure Energie und reine Lebenskraft.

Mit ihr in mir herrscht überschäumende Lebensfreude – Lebenswillen.

Ich überwinde alle Hindernisse, sprenge alle Grenzen, die eigenen und die fremden – wenn ich lerne, dieses glühende Schwert zu führen.

Es ist eine elegante Waffe, geschmiedet aus kostbarem Stahl, aus dem besten, der zu finden war, von einem Meister seines Fachs. Von mir.

Aber ich muss lernen, das Schwert zu führen, das rot glühende, sonst verletze ich weiterhin mich und die mir nahe stehen. Eine Waffe, die nicht tötet, soll es sein, eine Waffe, die nicht verletzt.

Ein Pflug soll sie sein, der die verkrustete Erde aufbricht, ein Lichtwall soll sie sein, der meine Gegner blendet und in Ehrfurcht zurückschrecken lässt, weiß glühendes Licht.

Rot glühendes Feuer gibt Wärme und Kraft.

In mir trage ich die Wut meiner Mutter, die Wut meiner Großmutter und die Wut vieler Frauen vor ihnen. Doch am stärksten brennt meine eigene Wut.

Meine Kraft, mein Licht, meine Waffe, mein Schutz.

Systemwiederherstellung

19. August 2009

Ich bin im doppelten Wortsinn nicht arbeitsfähig.

Eine kleine OP am Montag zwingt mich zu häufigen Ruhepausen, und mein Schreibtisch ist ein Müllhaufen.

Nun, nicht direkt Müll, aber Arbeitsunterlagen, Quittungen, Projektmaterialien, Telefonnotizen, Arbeitszeitbögen und jede Menge anderes Papier aus den letzten 12 Monaten (!) stapelt sich in der Inbox und auf dem Schreibtisch und wuchert in das benachbaret Regal hinüber.

Chaos auf dem Schreibtisch

So macht Arbeit nicht nur keinen Spaß sondern kann auch wirklich nicht effektiv funktionieren. Deshalb wird es Zeit, DAS SYSTEM wiederherzustellen.

DAS SYSTEM besteht aus aus einem „analogen“ und einem „digitalem“ Teil. Digital laufen z.B. Projektplanung, To-Do-Listen, Buchhaltung, Terminplanung usw. Zum analogen Teil gehören:

  1. Farbige Mappen und Ordner für laufende Projekte – je eine Mappe für ein Projekt bzw. einen Kunden
  2. Eine Mappe mit Unterlagen zur Arbeitsorganisation – Bogen zur täglichen Projektplanung, Arbeitszeiterfassung etc.
  3. Eine Inbox, in die im Laufe des Tages neue Papiere wandern, die weiter bearbeitet werden müssen – z.B. Telefonnotizen, die in das CRM-System übertragen werden müssen, Posteingang, Finanzbelege u.ä.
  4. Mehrere Aktenordner, in denen Unterlagen zu abgeschlossenen Projekten archiviert sind.

Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht es so aus, dass ich Projektunterlagen aus den letzten Monaten nicht abgelegt sondern in der Inbox gesammelt habe, dass Gesprächsnotizen unauffindbar sind und ich des öfteren am Telefon improvisieren muss, und dass ich immer häufiger in Papierstapeln nach der einen CD oder dem Blatt mit Spezifikationen wühlen muss.

Schritt 1: Platz schaffen

Jedem Ding seinen Ort, das gilt natürlich besonders da, wo effektives Arbeiten gefragt ist.

Darum wird als erstes das Aktenregal so umgeräumt, dass

  • drei Stehsammler für Projektmappen in Griffhöhe nebeneinander stehen können
  • alle Aktenordner mit archivierten Projektunterlagen nebeneinander Platz finden
  • alle Bücher zusammenstehen und nicht über mehrere Fächer verteilt
  • wichtige Unterlagen in Griffhöhe stehen

Dieser Teil ist innerhalb von 15 Minuten erledigt; bei der Gelegenheit wandern auch gleich ein paar alte Bücher auf den e-Bay-Stapel.

Bei der Durchsicht fällt auf, dass zwei Ordner ausgemistet und fünf Ordner reorganisiert werden müssen. Da es sich hier um Sachen handelt, an die ich nicht oft ran muss, hat das Zeit und kommt als „Someday“-Task auf die To-Do-Liste.

Schritt 2: Material bereitstellen

Zwei leere Stehsammler sind beschafft, ebenso leere Mappen und Ordner. Es kann losgehen!

Schritt 3: Vorhandenes sichten

Ich betrachte die rudimentären Reste DES SYSTEMS: einen Stehsammler mit diversen Mappen zu aktuellen und längst vergessenen Projekten. Mappe für Mappe wird nun herausgenommen, mit dem Kunden- bzw. Projektnamen beschriftet (mit Bleistift, damit ich die Mappe mehrfach verwenden kann) und sortiert: Abgeschlossene Projekte kommen auf einen Haufen und wandern später in einen Archiv-Ordner. Die anderen Mappen kommen auf einen von drei Stapeln: Laufende Projekte, an denen ich momentan arbeite (LAUFEND), Kunden, die zwar ihr Interesse und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekundet haben, sich aber aus internen Gründen noch nicht zum konkreten Auftrag durchringen konnten (PENDING), und meine eigenen Projekte und Projektideen (EIGENE).

Damit sind die drei Stehsammler „eingeweiht“.

Während der Arbeit tauchen folgende Erkenntnisse auf:

  1. Ich muss ein CD-Archiv für Kunden anlegen. CDs fliegen entweder lose in der gegen herum oder machen die Projektmappen unnötig dick (zu manchen Projekten gehören bspw. mehrere CDs mit Fotos).
    Kommt auf die To-Do-Liste.
  2. Ich schaffe es heute nicht, alle Unterlagen zu sichten und zu ordnen. Daher wandern alle Papiere erstmal nur in die ihnen zugedachte Mappe.
    Das Sortieren kommt auf die To-Do-Liste.
  3. Es gibt viele Telefon- und Gesprächsnotizen, die nicht im CRM-System erfasst sind. Das ist aber notwendig, um später den Projektverlauf nachvollziehen zu können und wichtige Verabredungen zu dokumentieren.
    Kommt ebenfalls auf die To-Do-Liste.

Dieser Part dauert 20 Minuten.

Schritt 4: Die Inbox leeren

Zuerst mal wird sie richtig gefüllt: Alle Papiere, CDs, Broschüren, Notizhefte, Visitenkarten etc., die auf dem Schreibtisch herumfliegen, kommen in die Inbox. Damit ist der Schreibtisch leer.

Alles in die Inbox

Der gesamte Inhalt der Inbox wird jetzt in Stapel sortiert:

  • laufende Projekte
  • abgeschlossene Projekte
  • Finanzbelege (Quittungen, Rechnungen, Kontoauszüge…)
  • Unterlagen zur Arbeitsorganisation (Zeiterfassungsbögen, Mind-Maps zu eigenen Marketing-Strategien usw.)
  • sonstige Ablage
  • Dinge, mit denen etwas getan werden muss (Informationen recherchieren, Unterlagen verschicken, Daten erfassen usw.)

Das ist erwartungsgemäß der größte Brocken und dauert eine knappe Stunde.

Der vorsortierte Inhalt der Inbox

Danach sitze ich da mit einem Dutzend Papierstapeln – und gönne mir erstmal eine Pause, bevor es weitergeht mit

Schritt 5: Ablage

Ich will schnelle Erfolgserlebnisse, deswegen fange ich mit den einfachen Stapeln an: Zuerst die Projekte, zu denen es bereits Mappen gibt. Wie gesagt, in diesem Schritt ordne ich nicht und hefte nicht ab, ich packe nur jedes Ding an seinen Ort, wo ich es wiederfinde. Wenn ich das nächste Mal an dem Projekt arbeite und die Mappe zur Hand nehme, gönne ich mir die paar Minuten und hefte den Kram schnell in der richtigen Reihenfolge ab.

Dann kommen die laufenden Projekte, für die es noch keine Mappen gibt: neue Mappen her, beschriften, Papiere rein und ab in den entsprechenden Stehsammler.

Papiere zur Arbeitsorganisation kommen vorübergehend in eine eigene Mappe und in den Sammler mit den eigenen Projekten – und ein Vermerk in die To-Do-Liste, diese Unterlagen zu sichten und abzuheften.

Stehsammler für Projektunterlagen

Für Finanzbelege gibt es im Büro eine eigene Inbox – die verirrten Papiere wandern dorthin.

Unterlagen von abgeschlossenen Projekten kommen in die entsprechenden Archiv-Ordne. Auch hier erspare ich mir eine Durchsicht, stattdessen kommt eine entsprechende Notiz in die To-Do-Liste.

Nach einer Viertelstunde ist nur noch der „schwierige“ Stapel übrig: Dinge, mit denen noch irgendetwas getan werden muss.

Schritt 6: To-Dos organisieren

Das ist das schwierigste Material beim Aufräumen: einen Platz zu finden für die Dinge, mit denen noch irgendetwas getan werden muss. Eine Visitenkarte, die ins Adressbuch übernommen werden muss. Eine Internetadresse, die als Bookmark gespeichert werden soll. Ein Artikel, den ich einscannen möchte.

Ich frage mich bei jedem Ding in dem Stapel: Was muss ich konkret mit Dir machen? Und sortiere es dann in eine von sechs Plastikhüllen:

  1. Daten erfassen
  2. Scannen
  3. Internet
  4. Kopieren
  5. Erledigen
  6. Platz finden

Dementsprechend kommen sechs Tasks auf die To-Do-Liste: Daten erfassen, Scannen usw.

Dieser letzte Stapel dauert noch einmal eine Viertelstunde, dann ist auch er in kleine Häppchen zerlegt und seine Abarbeitung im SYSTEM vorgemerkt. Die Hüllen wandern zurück in die Inbox, weil ich keinen besseren Platz habe.
Eine TO-DO-BOX wäre vielleicht gut.

Schritt 7: Schreibtisch putzen

Angesammelter Kleinkram, den ich nicht täglich brauche, wandert in eine Schachtel mit Büromaterial ins Regal – auf den Schreibtisch dürfen künftig nur noch ausgewählte Stücke.

Dann den Schreibtisch abgewischt, Inbox und Büromaterial wieder drauf und Voilà, ein ansprechender Arbeitsplatz!

Aufgeräumter Schreibtisch

Übrigens, die violette Mappe enthält meine Unterlagen zur Arbeitsorganisation, die ich jeden Tag verwende, deswegen darf sie als einzige immer auf dem Schreibtisch liegen…

Teurer Fehler

2. August 2009

Am Wochenende sind mir über 500,00 Euro gestohlen worden.

Die näheren Umstände tun nichts zur Sache – es war mein Fehler. So kommt zur Trauer um den Verlust des Geldes und der Wut auf den/die Dieb(e) der Zorn auf mich selbst: Wie konntest Du so blöd sein? Du passt doch sonst immer so auf, und nun, mit der Summe in der Tasche vergisst Du plötzlich alles? WTF???!!

Aber es hilft ja nichts.

Was mich überrascht, ist meine Reaktion auf den Vorfall: Nach dem anfänglichen Schock und einer Tränenflut bekam ich eine unheimlich große Distanz zu dem Ganzen, fast als wäre gar nichts passiert.

Nicht, dass es mir nichts mehr ausgemacht hätte, dass ich den Verlust einfach abgehakt hätte („passiert ist passiert“) – es ist vielmehr so, als bedeute mir das Geld an sich gar nichts.

Was mich überrascht, den Geld (oder der Mangel an Geld) beschäftigt mich die letzten 2-3 Jahre intensiv. Es ging soweit, dass ich die fristlose Kündigung meiner Wohnung auf dem Tisch hatte, weil ich mit der Miete so weit im Rückstand war. Ich bin beinahe aus der Krankenkasse geflogen, weil ich die Beiträge nicht zahlen konnte. Und ich habe in dieser Zeit über 12.000 Euro Schulden bei Freunden und Verwandten aufgehäuft.

Geld IST ein Thema. Und ich hatte eher das Gefühl, ALLE meine Gedanken drehen sich irgendwie ums Geld. Und jetzt das: ES IST MIR EGAL. Wie kann das sein?

500,00 Euro, das ist eine Montasmiete, das sind anderthalb Monate Krankenkasse, das wäre ein neuer Computer MIT Bildschirm, ein Notebook, ein kleiner Urlaub.

Ich wäre vermutlich untröstlich, wenn mir ein 500-Euro-Laptop runterfallen und irreparabel kaputt gehen würde. Das wäre konkret. Das Geld hingegen ist abstrakt, obwohl ich die Scheine in der Tasche hatte. Geld repräsentiert Möglichkeiten; an den Verlust oder das Aufschieben von Möglichkeiten aus Geldmangel bin ich fast schon gewöhnt – geht das eben diesen Monat wieder nicht.

Und ich frage mich: Wenn ich den Wunsch nach dem Verwirklichen von Möglichkeiten, von Träumen so leicht aufgeben kann, habe ich mich dann im Grunde nicht selbst aufgegeben? Bin ich nur noch aus Gewohnheit in der Tretmühle und erwarte im Grunde aber nichts vom Leben? Ja, ich nehme, was kommt und freue mich daran, aber WOFÜR arbeite ich, wonach strebe ich, was treibt mich an?

Und ist die Geringschätzung meiner eigenen Träume und damit verbunden die Geringschätzung der Mittel, die mir diese Träume verwirklichen helfen auch der Grund, dass ich diese Mittel nicht ausreichend habe? Kurz: Wenn mir Geld im Grunde egal ist, ist es dann ein Wunder, dass ich keins habe?

Money Hand by Neubie
Foto: Neubie

Loslassen können

24. Juli 2009

„Alles, was wir besitzen, ist auf dem Weg in den Abfall. Die Dinge befinden sich in verschiedenen Stadien auf dem Weg dorthin, aber letztendlich ist das Ziel dasselbe.“

Ich weiß nicht, wo ich diesen Gedanken aufgeschnappt habe, aber er hat etwas seltsam Tröstliches: Es hat alles ein Ziel und damit einen Sinn.

Viele Gegenstände gewinnen neben dem materiellen Zweck, den sie erfüllen sollen, zusätzlich Wert als Erinnerungsstücke. Erinnerungen an Menschen, Situationen, Ideen, unser früheres Ich.

Aber was, wenn ich fort bin? Wenn die Dinge für einen anderen keinen Zweck mehr erfüllen? Dann gehen sie ihren vorbestimmten Weg.

Brauche ich die (ansonsten nutzlosen) Dinge so sehr, um meine Erinnerungen nicht zu verlieren? Das alte Geschirr von den Großeltern, das nur viermal im Jahr aus dem Schrank geholt wurde und trotzdem nach 50 Jahren Gebrauch schäbig geworden ist (und mir auch nicht besonders gefällt)? Oder meine alten Spielsachen, für die in meinem Haushalt kein Kind mehr heranwachsen wird, das vielleicht einmal damit spielt?

Und wie steht es mit den alten Ideen, den Plänen, den Vorhaben?

Kann ich ein paar Dinge in meinem Leben loslassen, damit sie ihren Weg gehen können?

Und, um vielleicht Platz für Neues zu schaffen?

Old Stuff by Irargerich
Foto: Irargerich

Zu viele Optionen

14. Juli 2009

Ich sprühe vor Ideen, möchte tausend Sachen auf einmal machen, Projekte vorantreiben, Neues beginnen. Aber: Nirgends komme ich richtig weiter, und das ist kein Problem des Zeitmanagements.

Es ist, als wäre ich von zu vielen Möglichkeiten wie gelähmt:

Was soll ich zuerst tun? Wo stecke ich am besten meine Energie rein?

Die Entscheidung fällt schwer, welche Sache mir am wichtigsten, spannendsten, dringendsten ist. Die Angst ist groß, Zeit an die falsche Sache zu verschwenden, die besser für andere Dinge aufgebracht worden wäre. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll und mache dann – nichts.

Ich bin überwältigt von zu vielen Optionen.

Too. Many. Options. by iamdonte
Foto: iamdonte

Zwei Lösungsmöglichkeiten fallen mir ein:

1. Die Eintopf-Taktik: Von allem etwas

Ich könnte meinen Tag splitten und, sagen wir mal, fünf Projekte gleichzeitig jeweils ein kleines Schrittchen voranbringen.

Vorteil: Ich muss erstmal kein Projekt aus Zeitgründen zurückstellen. Außerdem merke ich mit der Zeit, wie wichtig mir das Projekt wirklich ist, und ob ich es tatsächlich weiterführen will.

Nachteil: Ich mache viel und komme doch nirgendwo merklich weiter. Der Projektabschluss zieht sich sehr in die Länge.

2. Die „Suppe des Tages“-Taktik: Jeden Tag einen Schwerpunkt

Ich befasse mich jeden Tag schwerpunktmäßig längere Zeit mit nur einem Projekt.

Vorteil: Ich mache sichtbare Fortschritte und komme schneller an den Punkt, über die Zukunft eines Projekts entscheiden zu können.

Nachteil: Ich muss einzelne Projekte zurückstellen, bis ich einen größeren Block freie Zeit habe. Ich habe weiterhin das Problem zu entscheiden, was ich zuerst machen soll.

Was tun?