Mit Kompetenz gegen Profilierungsdrang

8. Dezember 2008

Diese profilierungsbedürftigen Menschen.

Diesmal traf es die Designerin, mit der ich zusammen beim Kunden war, um das neue Layout der Website vorzustellen.

Vier Mitarbeiter sitzen uns gegenüber, man ist entspannt und sich freundlich gesonnen, alles Organisatorische ist unter Dach und Fach, nichts muss verkauft werden, man ist sich einig.

Das letzte Mal haben wir uns vor zweieinhalb Wochen getroffen, damals wurde eine grobe Linie für das Layout festgelegt, heute sollten die überarbeiteten Entwürfe präsentiert werden.

Nur dass sich einer der Mitarbeiter in der Zwischenzeit die Website eines Wettbewerbers angesehen hat. Und sie „sexy“ findet. Und eigentlich genau dieses Layout haben möchte, nur in anderen Farben.

Da kann die Designerin noch so viel von Corporate Identity sprechen, der Mann hat seine Meinung, und bei der bleibt er.

Dass es Broschüren mit einem bestimmten Erscheinungsbild gibt, wo für bestimmte Produktgruppen bestimmte Farben verwendet werden, ficht ihn nicht an. Diese Farben gefallen ihm nicht und Punkt.

Und dass sich eine durchgängige Bildsprache durch alle Printprodukte zieht – na und?  Das Internet ist schließlich keine Broschüre.

Bilder mag er sowieso nicht, schließlich möchte der Kunde Informationen und nicht unterhalten werden. Dass man Informationen ästhetisch ansprechend präsentieren kann und dies keine Frage von persönlichem Geschmack sondern eben unter anderem der berühmten Corporate Identity ist, interessiert ihn nicht.

Der Projektleiter sagt dazu erstmal gar nichts; ihm misfällt diese seine Position sowieso, das ist immer wieder spürbar. Was der Kollege ausnutzt, um sich zu profilieren.

Die Designerin sitzt in der Klemme: Gibt sie nach, verliert sie an Glaubwürdigkeit und an Integrität – jedes künftige Werbeprodukt wird dann nur noch der kleinste gemeinsame Nenner der unterschiedlichen Geschmäcker. Widerspricht sie, legt sie es auf einen Konflikt mit dem Kunden an – und riskiert unter Umständen künftige Aufträge.

Letztendlich wird ihre Kompetenz durch ein solches Verhalten angezweifelt. „Design ist Geschmackssache“ – dieser Satz fällt von dem Herrn des öfteren.

Ihre einzige Chance ist, mit Argumenten zu kontern: Was der (ökonomische) Sinn einer Corporate Identity ist, warum in der Vergangenheit bestimmte gestalterische Entscheidungen getroffen wurden, welches (ökonomische) Ziel ihrer Gestaltung zugrunde liegt.

Wenn ihm dann nur noch das „Ich mag es aber nicht“ bleibt, kann man immer noch sagen: „Das ist eben Geschmackssache – wir treffen die Entscheidungen auf einer sachlichen Grundlage.“

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