Hallo Angst!

12. Dezember 2008

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jedes Steckenbleiben in meinem Leben, jede Sache, die ich endlos aufschiebe, bis ich von außen wirklich ernsthafte Schwierigkeiten bekomme, immer dieselbe Ursache hat: Angst.

Auf Angst reagiere ich mit einer Art Totstellreflex: Ich verdränge die unangenehme Sache so erfolgreich, dass ich sie lange Zeit regelrecht vergessen kann. Wenn ich mich nicht um die Sache kümmere, existiert sie auch nicht…

Natürlich nagt irgendwo im Unterbewußtsein immer ein Gefühl von Schuld: „Ich sollte mich wirklich darum kümmern, sonst kann das richtig übel werden!“, aber selbst das kann ich ziemlich lange wegignorieren.

Angstthema Schulden

Eines dieser massiv angstbesetzten Themen sind Schulden. Dieses  Thema ist mir absolut furchtbar, gleichzeitig ist es existenziell wichtig, mich damit zu befassen.

Meine Grundbedürfnisse sind sehr niedrig, ich habe kein Auto, rauche nicht, habe keine kostspieligen Hobbies. Was ich brauche, ist Geld für die Miete, die Krankenkasse (als Selbständige muss ich die selber zahlen), Strom, Telefon, Internet, Rundfunkgebühren und Essen.

Keine Abos (mehr), keine Mitgliedschaften, keine Versicherungen. Wirklich nur das Nötigste; Sparpotential gibt es hier praktisch nicht mehr.

Aber seit drei Jahren reicht mein Einkommen selbst für diese grundlegenden Sachen nicht aus. Monat für Monat ist es ein Kampf, wem ich wieviel von meinem bißchen Geld überweise, damit er mit seinen übrigen Forderungen wieder eine Weile stillhält.

Wäre ich hierbei auf mich gestellt, hätte ich schon im vorletzten Jahr meine Wohnung verloren und wäre aus der Krankenkasse geflogen. Gott sei Dank unterstützt mich der Mann, der durch eigene Schulden in der Vergangenheit viele der Tricks und Kniffe kennt, wie man mit Gläubigern umgehen muss, um sich Zeit und Atempausen zu verschaffen.

Ich schulde ihm unendlich viel; nicht nur Geld, sondern in gewissem Sinne mein Leben, wie ich es jetzt führe. Ohne ihn würde ich wahrscheinlich in einer vom Amt bezahlten Klitsche hocken, ohne berufliche Perspektive, ohne Selbstachtung, möglicherweise sogar depressiv in einer Klinik sitzen.

Wenn er sich nicht kümmern und mir andauernd in den Hintern treten würde, würde ich mich um gar nichts kümmern. Ich wüßte nicht mal, wem ich was schulde. Und ich würde vermutlich auch keinen Pfennig selbst verdienen.

Soweit der Status Quo.

Das Ziel: Entscheidungsfreiheit

Ich will nicht mehr jeden Tag mit Grauen den Briefkasten öffnen. Ich will  nicht mehr jeden Monat mit Heulen und Zähneklappern vom Mann das Geld annehmen, um wenigstens meine Wohnung und die Krankenkasse zu behalten.

Ich will selbst bestimmen, wer wann von mir wieviel Geld bekommt. Ich will selbstbewusst und ohne Scham jemanden um Geld bitten können, wenn es bei mir nicht reicht. Und ich will vor allem das Gefühl haben, dass ich irgendwann auch wieder in der Lage bin, meine Kosten auch selbst zu decken.

Verhaltensmuster ändern

Ich sehe, dass ich mich in der Überwachung meiner Schulden passiv verhalte und die (reale) Bedrohung, die dadurch entsteht, verdränge.

Ich weiss, wenn ich mit einer Sache feststecke, ist die Ursache Angst.

Das heißt, wenn ich irgendetwas an meinem Verhalten ändern will, muss ich mich mit meinen Ängsten auseinandersetzen.

Dazu gehört zunächst einmal, dass ich meine Ängste anerkenne und ernst nehme. Sie sind da, und sie erfüllen einen Zweck. Ich akzeptiere, dass sie da sind und mir etwas sagen wollen. Ich höre zu, was sie mir zu sagen haben.

Das ist der erste Schritt.

Ich denke, wenn ich meine Ängste besser verstehe, woher sie kommen und was sie bedeuten, werde ich einen großen Schritt weiter sein.

Wenn ich weiß, was für ein Bedürfnis sich hinter meinen Ängsten versteckt, kann ich nach Wegen suchen, dieses Bedürfnis anders zu befriedigen, mir auf andere Weise das zu geben, was ich brauche, um mich gut zu fühlen.

Es ist einen Versuch wert.

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