Mit der Angst ins Gespräch kommen

17. Dezember 2008

Vor fünf Tagen hatte ich beschlossen, mich meinen Ängsten in Bezug auf das Thema „Schulden“ zu stellen. Ich habe mich bemüht, ihnen liebe- und verständnisvoll zu begegnen und zuzuhören, was sie mir zu sagen haben, und sie haben gesprochen. Was ich verstanden habe, ist Folgendes:

1. Ich hasse es, Schulden zu haben.

Ich schäme mich, wenn ich Versprechen nicht halten kann, denn ich halte große Stücke auf meine Zuverlässigkeit. In dem Moment, in dem ich einen Vertrag unterschreibe, gebe ich das Versprechen ab, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder regelmäßig eine bestimmte Summe zu zahlen, um im Gegenzug eine Leistung zu erhalten.

Die Leistung (Wohnung, Krankenkasse, ein Abonnement – was auch immer) in Anspruch zu nehmen und dann mein Versprechen, diese Leistung zu bezahlen nicht einzuhalten – das geht mir so grundsätzlich gegen den Strich, dass ich es kaum aushalte.

Dass ich diese Zahlungen nicht böswillig verweigere, sondern sie schlicht nicht erbringen KANN, macht es eigentlich noch schlimmer, denn

2. Ich schäme mich für mein Versagen

Ich schäme mich, dass ich nicht selbst für meine grundlegendsten Bedürfnisse sorgen kann, dass ich ständig anderen Leuten auf der Tasche liege, dass ich es nicht schaffe, meine Sachen selbst zu regeln und die Energie aufzubringen, an meiner Situation SELBST etwas zu ändern.

Scham. Schuldgefühle. Selbsthass.

3. Diese negativen Gefühle sind der Grund für mein Feststecken

Der Teufelskreis aus Scham, Verdrängen und Wut auf mich selbst wird ewig weitergehen, wenn ich ihn nicht unterbreche.

Ich kann ihn nur unterbrechen, wenn ich meinen negativen Gefühlen liebevoll begegne, wenn ich tiefer schaue, wenn ich weiter zuhöre. Ich muss weiterhin meine Verhaltensmuster beobachten und versuchen zu verstehen, was dahintersteckt, welche Bedürfnisse unerfüllt sind.

Und die Angst?

Grundsätzlich habe ich eine tiefsitzende Angst davor zu versagen. Ich habe Angst, nicht ernst genommen oder negativ bewertet zu werden. Ich habe Angst, über mein Versagen definiert zu werden.

Ich fühle mich unsicher und soll gleichzeitig Gläubigern und Gerichtsvollziehern gegenüber planend und bestimmt auftreten – das überfordert mich.

Wie geht es also weiter?

Ich denke, dass diese Versagensangst ihre Ursache in bestimmten Kindheitserlebnissen hat, sich mittlerweile verselbständigt hat und in allen möglichen Bereichen meines Lebens heimisch geworden ist.

Eine so tiefsitzende Angst werde ich nicht in ein paar Tagen los. Ich kann nur weiterhin genau hinsehen, mir bewusst machen, wenn die Angst meine Handlungen lähmt und versuchen, mit dieser Angst in einen Dialog zu treten:

Hallo Angst. Du bist schon lange bei mir, und ich habe fast vergessen, warum Du eigentlich da bist. Ich weiß, Du willst mich vor bösen Folgen meines Handelns schützen, aber es ist an der Zeit, dass ich selbst auf mich aufpasse. Glaub mir, ich kann das mittlerweile ganz gut. Warum setzt Du Dich nicht dort in den Sessel und lässt mich machen? Wenn ich Dich brauche, sage ich Dir Bescheid.

So in etwa.

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