Die Woche – Sonntagsrückschau

21. Dezember 2008

Was ist diese Woche geschehen, und wie geht es mir damit?
Das Schlechte zuerst:

Die unschönen Erlebnisse

Beerdigung

Grundsätzlich habe ich kein Problem mit Beerdigungen, und ich weiß nicht, warum es diesmal anders war. Die Beerdigung selbst war auch gar nicht das Problem, eher die Zusammenkunft von Freunden, Bekannten und Weggefährten danach.

Man traf sich in seiner Stammkneipe, die Atmosphäre war friedlich, ein wenig nachdenklich, aber auch fröhlich. Im Großen und Ganzen kannte man sich.

Mir selbst war gar nicht so sehr nach Begegnung zumute; ich befand mich in einem seltsamen Gefühlszustand, wie der Wirklichkeit entrückt. Ich wollte nicht gehen, ich wollte nicht bleiben, ich wollte nicht sitzen, ich wollte nicht stehen, ich wollte nicht reden, ich wollte nicht schweigen.

Ich war wie in einem Schwebezustand – am liebsten hätte ich mich irgendwo in vollständiger muskulärer Entspannung befunden und einfach vor mich hin gestarrt.

Dieser Zustand war sogar ziemlich angenehm, aber ich konnte ihm nicht nachgeben. Stattdessen habe ich im Laufe des Tages mit vielen bekannten und unbekannten Menschen gesprochen und dabei soviel Fremdenergie aufgenommen, dass es mir am Ende wirklich schlecht ging und ich nicht einmal mehr vor Erschöpfung weinen konnte, obwohl das genau das war, was ich am liebsten getan hätte.

Verstörte Kommunikation

Der Dienstleister eines Kunden soll mir eine bestimmte Information zukommen lassen und macht den ganzen Vorgang so kompliziert, dass ich nur noch dastehen und den Kopf schütteln kann. Erst behandelt er mich herablassend, dann versucht er, bei mir Schuldgefühle auszulösen und schließlich ist er nur noch bockig.

Er hätte mir nur einmal in drei Sätzen einen Sachverhalt erklären müssen, aber stattdessen lebt er an mir irgendeinen persönlichen Frust aus.

Ich habe zunehmend weniger Geduld für solche Spielchen, die nichts mit mir zu tun haben und mich auch nicht interessieren. Leute, holt Euch Hilfe, wenn ihr mit Eurem Leben nicht klarkommt, aber belastet Eure Umwelt nicht mit diesem undifferenzierten Mist!

Unschöne Entdeckung

Ich habe mich endlich daran gemacht, ein paar der Briefe von Gläubigern aus den letzten Wochen zu öffnen und dabei entdeckt, dass meine Krankenkasse ein Vollstreckungsverfahren gegen mich eröffnet hat.

Es hat mich viel Kraft gekostet, mich deswegen nicht selbst zu zerfleischen, aber angenehm war diese Erfahrung trotzdem nicht. Dann noch die tagelange Angst, mit dem Mann (meinem unfreiwilligen und unbezahlten „Schuldenberater“) darüber zu sprechen.

Ich tat es dann schließlich doch, und es wurde die Erleichterung der Woche, dass er mir nicht nur nicht den Kopf abgerissen hat, sondern sogar eine wunderbare Zahlungsvereinbarung für mich ausgehandelt hat.

Trotzdem: sehr unschöne Erfahrung und die Erkenntnis, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe.

Die schönen Erlebnisse

Welche Sozialphobie?

Ich bewege mich zunehmend sicher unter anderen Menschen, ob ich sie nun kenne oder nicht. Ich knüpfe Kontakte (in meinem Tempo und auf meine Weise), ohne mir Mut antrinken zu müssen, ich grenze mich ab, wenn mir etwas zu viel wird, ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen, und ich werde von vorher fremden Menschen zum Abschied umarmt, also war ich wohl keine Katastrophe.

Ein Großteil dieser Sicherheit kommt daher, dass ichandere Menschen nicht mehr wie Wesen von anderen Planeten betrachte, sondern sie sehe wie ich mich fühle: als Menschen mit Problemen, mit Macken, mit Vorlieben, mit Hemmungen und Ängsten, die sich in dieser Welt ähnlich unsicher fühlen wie ich, nur eben auf ihre Weise.

Ich spüre ein „Wir sitzen alle im selben Boot“. Ich nehme Unsicherheit wahr, wo ich früher Feindseligkeit gespürt habe und Angst, wo früher Arroganz war. Und ich trete den Menschen mit liebevollem Respekt entgegen, ohne mich anzubiedern oder mich so zu verbiegen wie ich denke, dass sie mich haben wollen.

Emoltionale Kompetenz.

Hydronymie

Hydronymie ist ein Teilgebiet der Linguistik, das sich mit der Erforschung der Namen von Gewässern beschäftigt und wie sich diese im Laufe der Geschichte wandeln.
(Science at Home)

Im Anschluss an die Beerdigung nahm ich auf dem Heimweg noch einen Absacker und traf einen alten Bekannten, der sich unter anderem viel mit Geschichte, Philosophie und Linguistik befasst, und mit dem sich ein wunderbares Gespräch über Etymologie entspann.

Vom Lateinischen kamen wir zum Indogermanischen und landeten schnell bei den Namen für Gewässer und Landmarken wie Berge u.ä.

Solche Gespräche tun mir von Zeit zu Zeit unglaublich gut, auch wenn mir dabei immer bewusst wird, wie viele Dinge, die ich einmal gelesen habe, ich wieder vergesse.

Trotzdem: Ein gutes Gegengewicht zu allzu viel Emotion.

Katzenliebe

In den letzten Monaten habe ich ein paarmal den Kater eines Freundes für ein paar Tage versorgt. Der Kater ist jung und halbwild aufgewachsen und daher Fremden gegenüber sehr zurückhaltend.

Er erkennt mich aber mittlerweile, wenn ich alle paar Wochen zu ihm in die Wohnung komme, begrüßt mich auch mit Zwinkern und Miauen und fordert sein Futter ein. Anfassen ließ er sich jedoch nie.

Diesmal schmolz sein Widerstand, leider erst an unserem letzten Tag, aber dafür auf wirklich rührende Weise: Ich war in der Küche zugange, um meine Sachen zu packen, da schrie er aus dem Wohnzimmer. Ich ging hin, um nachzusehen, er erwartete mich, miaute mich an, sprang dann auf seinen Kratzbaum, setzte sich etwa auf meiner Augenhöhe hin und begann, dem darüberliegenden Brett Köpfchen zu geben.

Ich hielt meine Hand hin, und er rieb sich behaglich, und dann durfte ich ihn eine ganze Weile hinter den Ohren und im Nacken kraulen. Schmelz!!

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