Die Woche – Sontagsrückschau

28. Dezember 2008

Was ist diese Woche geschehen, und wie geht es mir damit?
Das Schlechte zuerst:

Die unschönen Erlebnisse

Ich war mit dem Mann eine Woche bei der Schwägerin zu Besuch, weil die Schwiegermutter 90 Jahre alt wurde. Traditionell werden der Geburtstag der Schwiegermutter und Weihnachten im Haus der Schwägerin gefeiert.

So gern ich diese Menschen habe, ist doch ein Aufenthalt im fremden Haus – vor allem zu Weihnachten – eine Belastungsprobe für alle Beteiligten: Keiner kann seinen gewohnten Rhythmus leben, es gibt anderes Essen zu anderen Zeiten, und, was für mich besonders anstrengend ist, man ist praktisch ständig von Menschen umgeben.

Insofern haben meine unangenehmen Erfahrungen auch hauptsächlich mit der Durchbrechung von Gewohnheiten und Routinen zu tun, die anstrengend für mich waren:

Distanz

Obwohl ich freundlich empfangen wurde, spürte ich die ganze Zeit eine Distanz von Schwägerin und Schwager. Es war, als mochten sie mich nicht besonders. Früher hatte ich dieses Gefühl bei ihnen nicht so ausgeprägt. Hatte ich mich verändert? Oder war bei ihnen irgendwas los, von dem ich nichts weiß?

Die Schwägerin verhielt sich, als würde ich permanent ihren Lebensstil in Frage stellen und sie herablassend behandeln; sie war in einer dauernden Verteidigngs- und Rechtfertigungshaltung. Beim Schwager empfand ich es ähnlich, nur dass er anders damit umging, nämlich mit kleinen Sticheleien und Mini-Provokationen.

Seltsam. Gut, ich war wie immer, ein bißchen zynisch, ein bißchen provokant, ein bißchen besserwisserisch – aber so kennen sie mich doch?

Mit der Schwiegermutter hingegen komme ich bestens klar; sie akzeptiert mich wie ich bin und mag mich auch, das ist spürbar. Vielleicht liegt es daran, dass sie selber nicht auf den Mund gefallen ist und es mag, wenn ihr jemand kontra gibt. Die Schwägerin kommt damit überhaupt nicht klar, es verunsichert sie sehr.

Kein Rückzugsort

Das Haus der Schwägerin ist groß, aber sieben Menschen brauchen eben auch Platz. Wir schliefen im Zimmer des Neffen, der nachts zu seiner in der Nähe wohnenden Freundin umzog. Tagsüber hielt er sich natürlich in seinem Zimmer auf, so dass wir quasi „heimatlos“ waren. Jedes Zimmer war irgendwie belegt oder „öffentlich“, so dass es schwer für mich war, mich mal eine Stunde zurückzuziehen oder mich nachmittags hinzulegen. Das hat mir am meisten ausgemacht und dazu geführt, dass ich abends immer früher ins Bett gegangen bin, um noch eine halbe Stunde für mich zu sein.

Angst davor, nach Hause zu kommen

Das Schlimmste für mich war, dass ich angst hatte, allein nach Hause zu fahren. ich musste mich da wirklich ein paar Tage vorher mental vorbereiten, Samstag abend allein hier in meiner Wohnung zu sein.

Ich fürchtete mich davor, sofort von Erinnerungen an die Tage und Wochen vor unserer Abreise überflutet zu werden, gleich wieder alle Sorgen im Kopf zu haben und mich in meiner Wohnung, die ich zunehmend als chaotisch und überfüllt empfinde, nicht mehr wohl zu fühlen.

Ich hatte Angst, dass mir mein einziger Rückzugsort abhanden gekommen ist.

Zum Glück war es nicht so, ich habe mich gleich wohl gefühlt und hatte keine negativen Gefühle, als ich ankam. Aber die Angst war erschreckend: Möglicherweise keinen Platz zu haben, an dem ich mich sicher und geborgen fühlen kann.

Umso wichtiger erscheint es mir, meine Wohnung jetzt meinem veränderten Innenleben anzupassen und mich von Zeug zu trennen. Ebenfalls muss ich das Thema Schulden und Existenzsicherung weiter bearbeiten, denn das verursacht mir die meisten Bauchschmerzen.

Die schönen Erlebnisse

Natürlich gab es auch viel Schönes in dieser Woche, denn immerhin war Weihnachten, ein Fest, das ich sehr liebe.

Essen

In bezug auf Essen und Trinken bin ich ein absoluter Genussmensch, und da bin ich beim Schwager genau richtig. Ohne uns zu überfressen, haben wir mehrere Tage geschlemmt: Italienische Wurst, Schinken und Käse zum Frühstück, ein Menu zum Geburtstag der Schwiegermutter beim ersten Italiener am Platze, Steaks mit Kartoffelsalat am Heiligen Abend, Gänsebrust mit Klößen und Rotkohl am 25. und Rehrücken mit Broccoli am 26.12.

Dazwischen immer wieder Imbisse mit diesem leckeren Aufschnitt, Krabbensalat, Lachs, Kuchen und Kekse oder auch mal ein leckerer Feld- oder Obstsalat.

Dazu gab es alle möglichen Weine und sogar mal ein Schlückchen Whisky…

Geschenke

Ich liebe es, Geschenke zu bekommen (und zu machen). Insofern kam mir die Kaufmanie der Schwägerin „gelegen“, denn es gab für jeden schöne Sachen. Für mich Gästehandtücher und einen schönen weihnachtlichen Wandbehang, den man auch zum Adventskalender umfunktionieren kann, und für uns beide zusammen einen amtlichen Fresskorb mit allerlei Leckereien.

Andere fühlten sich etwas erschlagen, aber ich bin es seit meiner Kindheit geradezu gewohnt, reich beschenkt zu werden, da habe ich das richtig genossen, mal wieder Überraschungspakete öffnen zu dürfen, wo ich nicht vorher weiß, was mich erwartet.

Es ist ein Überfluss, und ich genieße ihn.

Nach Hause kommen

Im Zug spüren, wie ich langsam in mein gewohntes Gefühlsleben schlüpfe wie in einen alten, sehr bequemen Mantel. Auf dem spätabendlichen Nachhauseweg vom Bus vom Tagesspiegel-Verkäufer gegrüßt zu werden. Keine furchtbaren Briefe im Kasten. Meine ganz persönliche, ausgesuchte Weihnachtsdekoration auf dem Fernsehregal. Meine selbstgebackenen Kekse auf dem Tisch. Die aufgeräumte Küche. Ein schwedischer Film im Fernsehen. Mein Bett. Und dann heute morgen: Kalte, klare Luft und Sonnenschein. Die Sorgen noch weit weg. Das Gefühl: Feiertag (nun, eigentlich Sonntag, aber das schert das Gefühl nicht). Weihnachten. Winter. Ruhe. Frieden. Ich. hier. Allein. Und ab heute abend wieder mit Kater.

Schön.

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