Die Woche – Sonntagsrückschau

12. Januar 2009

Was ist diese Woche geschehen, und wie geht es mir damit?
Das Schlechte zuerst:

Die unschönen Erlebnisse

Ich. Stecke. Fest.

Die erste Arbeitswoche im neuen Jahr – eigentlich immer eine Zeit des Aufbruchs, das Gefühl, die erste, leere Seite eines neuen Notizbuchs aufzuschlagen, das erste Mal „09“ im Datum schreiben.

Dieses Jahr war es anders. Ich war total unmotiviert und lustlos. Und ich konnte es ganz schlecht annehmen. Ich dachte ständig „Aber Du musst doch etwas tun. Du musst Geld verdienen. Du musst die Zeit nutzen, um Kundenprojekte weiterzuführen, sonst wird es wieder einen Riesenstress geben.“ Du musst, musst, musst.

„Du musst“ erzeugt Widerstand: „Ich will aber nicht! Ich kann nicht! Es ist mir alles zuviel! Es macht keinen Spaß! Wofür mache ich das denn alles, wenn nicht für mich? Soll ich mein Leben mit etwas verbringen, das mich krank macht?!“

Ich steckte fest. Und ich fand lange keinen Zugang zu meinen Gefühlen. Zu meiner Unlust. Zu dem Gefühl der Aussichtslosigkeit. Zu der Angst.

Und mir ging es gar nicht gut damit.

Mir selbst nicht verzeihen können

Ich habe eine Weile gebraucht, um eine Ursache meiner Depression zu identifizieren: Ich konnte mir selbst bestimmte Dinge nicht verzeihen. Fehlverhalten. Reaktionen auf das, was andere sagten oder nicht sagten. Tatsächliches oder vermeintliches Versagen meinerseits.

Diese Erkenntnis hat mich erschreckt: Was ist das für eine Instanz in mir, die so streng zu mir ist? Ich bringe größtes Verständnis für jeden möglichen Blödsinn bei anderen Leuten auf und bin so gnadenlos unversöhnlich mir selbst gegenüber? So nachtragend?

Ich bin froh, dass ich diesen Wesenszug bei mir entdeckt habe und werde wohl noch eine Weile daran und damit arbeiten.

Vorwürfe

Es ist ganz schlechtes Timing, wenn man gerade dabei ist,  die eigene Unversöhnlichkeit sich selbst gegenüber anzuerkennen, und dann taucht jemand aus der Familie auf, von dem man erwartet, dass er ein gewisses Verständnis für die eigene schwierige Situation aufbringt, und dieser Jemand konfrontiert einen dann unausgesprochen mit Vorwürfen, die in den eigenen Augen völlig lächerlich, überzogen und egoistisch wirken.

Natürlich ist dies der falscheste Zeitpunkt, selbst geduldig und liebevoll zu sein, und das Gefühl, nicht „gesehen“ zu werden, entlädt sich in unbändiger kindlicher Wut mit Schreien, Tränen und Sachen Schmeißen. Zum Glück findet diese Entladung nicht gegen den besagten ‚Jemand‘ statt, sondern bereits kanalisiert im heimischen Wohnzimmer vor einem leicht irritierten und verständnislosen Mann, dem das alles etwas übertrieben vorkommt.

Gerade erkenne ich, dass ich mir selbst bestimmte Dinge schwer verzeihen kann – erkenne also, dass ich massive Selbstvorwürfe mit mir herumtrage -, da kommt aus der Ecke, wo ich eigentlich Schutz und Unterstützung erwarte, die nächste Breitseite. So etwas tut nicht gut.

Die schönen Erlebnisse

Der Mann ist wieder da!

Wie gut das tut, endlich wieder mit dem engsten Vertrauten und wichtigstem Mitstreiter Seite an Seite zu stehen! Die kleinen und großen Alltagsirritationen besprechen zu können. Sich Mut zu holen und Mut zuzusprechen. „Gemeinsam schaffen wir das.“ Ja!

Weinen können

Endlich. Nicht aus totaler Erschöpfung oder Verzweiflung, sondern aus Erleichterung, aus dem Gefühl heraus, dass sich ein Knoten löst, etwas Schmerzhaftes geteilt werden kann, etwas Blödes zu Ende geht.

Danach habe ich zum erstenmal seit zwei Wochen wieder besser geschlafen.

Ein Weg wird sichtbar

So hart es war, etwas Neues über mich zu erfahren, so sehr hat das doch auch Dinge in Bewegung gebracht. Alte Gedanken werden neu betrachtet, Einschätzungen überdacht, Handlungen aus einem anderen Blickwinkel gesehen.

Ein Weg hat sich aufgetan, bestimmte Dinge in meinem Leben anders oder besser zu verstehen und künftig liebevoller und verständnisvoller mit mir umzugehen.

Dafür bin ich unendlich dankbar.

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