Ein geschützter Raum

20. Februar 2009

Ich bin nicht gut im Durchhalten von Seminaren, Kursen oder Programmen. Ich sehe einfach nicht den Sinn, etwas nur um seiner selbst willen zu Ende zu bringen, wenn es mir nichts (mehr) gibt.

Schon als Kind habe ich ständig neue Sachen angefangen und nach einiger Zeit wieder aufgegeben. Meine Eltern hatten Angst, ich hätte keinen Ehrgeiz. Sie sagten dies in einem vorwurfsvollen Ton. Du änderst dauernd deine Meinung. Du hast kein Durchhaltevermögen. Du bringst nichts zu Ende.

Und so ist es bis heute. Etwas interessiert mich: ich probiere es aus, um herauszufinden, was es mir geben kann. Wenn ich genug bekommen habe, hat diese Sache ihren Reiz verloren – neue Fragen beschäftigen mich, neue Anregungen müssen her.

Vor diesem Hintergrund ist es völliger Blödsinn anzunehmen, ich würde ein 12-Wochen-Programm wie The Artist’s Way von Julia Cameron von Anfang bis Ende durchziehen. Und eben weil dies illusorisch ist, verlange ich das erst gar nicht von mir, sondern sage mir: Das Programm scheint mir etwas zu bieten, was ich gerade jetzt brauche. Ich probiere mal aus, ob ich mit Hilfe einiger Ideen dieses Programms mein momentanes Feststecken aufbrechen kann.

Was mir das Programm geben könnte, ist strukturierte Zeit zur Selbstreflexion. Ich kann es mir nicht leisten, den ganzen Tag mit meinen Gedanken woanders zu sein, ohne tatsächlich an meinem Feststecken zu arbeiten. Darunter leidet meine Arbeit, und emotional komme ich auch nicht weiter.

Ich brauche einen geschützten Raum, in dem ich mich auf eine Reise nach Innen begeben kann – Zeit für mich, zeitlich begrenzt, mit konkreten Fragen als Hilfsmittel.

The Artist’s Way scheint genau das zu bieten:

  1. Ein morgendliches Schreibritual (morning pages genannt):
    Jeden Morgen, gleich nach dem Aufstehen, schreibt man über drei Seiten auf, was einem in den Kopf kommt. Handschriftlich und ohne (Selbst-)Zensur.
    Diese Notizen sollen nicht gelesen werden (frühestens nach ein paar Wochen), sondern dienen dazu, den Kopf zu klären und alles herauszulassen, was einen beschäftigt.
    Es ist ein großes Collect, um in GTD-Terminologie zu sprechen.
  2. Eine wöchentliche Verabredung mit sich selbst (das artist’s date), bei der man eine bis zwei Stunden allein etwas unternimmt, was einem Anregungen bietet: ein Spaziergang, ein Ausflug, eine Ausstellung…
    Wichtig ist, dass man es allein tut und dass es regelmäßig jede Woche stattfindet.
  3. Wöchentliche Zusatzaufgaben, mit deren Hilfe man sich jede Woche einer besonderen Thematik widmet, etwa Autonomie, Verbundenheit, Möglichkeiten usw.

Wir werden sehen, ob diese Techniken mir behilflich sein können, ein paar Feststecker aufzulösen.

Beginn: morgen

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2 Antworten to “Ein geschützter Raum”


  1. […] Februar 2009 Meinen geschützten Raum stelle ich mir vor wie ein Zimmer ohne Möbel. Nur ein Schreibtisch steht darin, Matten, Decken und […]


  2. […] Februar 2009 Ich habe heute das erste Mal die Morning Pages geschrieben, und es war einfach […]


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