Stimmungsumschwung und Blockaden

22. Februar 2009

Ich war ein bißchen erschrocken, als gestern mittag meine glänzende, jubilierende Stimmung innerhalb von Minuten ins absolute Gegenteil umschlug und ich den Rest des Tages traurig und niedergedrückt war.

Ich fühlte mich labil, verletzlich und unsicher – wenn die Stimmung so schnell umschlagen kann, kann ich dann überhaupt meinen Gefühlen vertrauen?

Heute verstehe ich etwas besser, was da passiert ist. Drei Dinge:

  1. Eine unliebsame Erkenntnis: Ich kann es nicht ertragen, nur mittelmäßig zu sein. Ich brauche Anerkennung und Lob. Wenn ich nicht hundertzehnprozentig von einer Sache überzeugt bin, lasse ich sie lieber sein, weil ich sonst riskiere, (in meinen Augen) berechtigte Kritik dafür einzustecken, der ich nichts entgegenzusetzen habe.
  2. Diese Erkenntnis bezieht sich sowohl auf meine Arbeit und neue Projekte/ Ideen, als auch auf meine kreative Seite, namentlich das Malen und die Musik. Ich habe großen Spaß am Singen, weiß aber, dass meine Stimme und meine Ausstrahlung nicht ausreichen, eine wirklich atemberaubende Sängerin zu sein. Also lasse ich es in der Regel und benutze das Singen ausschließlich für meine Stimmungshebung oder um überschüssige Energie abzulassen. Gestern wurde ich wieder mal vom (musizierenden) Mann mit dem Thema konfrontiert und reagierte sofort mit Abwehr. Die versuchte ich später zu kanalisieren, um meine CD-Sammlung (einige hundert CDs) neu zu sortieren.
  3. In dem Konflikt mit einem Kunden plädierte der Mann gestern dafür, ich solle es auf einen Crash ankommen lassen bzw. „Öl ins Feuer gießen“ und eine Entscheidung erzwingen. Diese aggressive Wortwahl ließ innerlich sofort sämtliche Zugbrücken einfahren und Gitter herunterrasseln, noch bevor ich ansatzweise darüber nachdenken konnte. Volle Blockade. Kein gedanke über dieses Thema möglich.

Das alles zusammen blockierte mich innerhalb weniger Minuten komplett. Ich fand keinen Zugang zu mir, jedenfalls keinen liebevollen und steckte vollständig fest.

Immerhin sorgte das Sortieren der CDs für Aktivität irgendeiner Art und half mir, den ganzen Schreck erstmal sacken zu lassen.

Heute morgen war dann auch das Schreiben der Morning Pages ganz anders als gestern. Ich ackerte mich durch die Aufgabe, drei Seiten zu schreiben, und mein Körper wehrte sich, wo er nur konnte, gegen (weitere) unliebsame Erkenntnisse: Es juckte und zwickte überall, die Schulter tat weh, der Schreibarm verkrampfte sich, die Nase lief. Das ganze System war in Abwehr.

Ich habe es dennoch durchgezogen, und danach ging es mir besser, auch wenn ich größtenteils sinnloses Zeug à la „Ist dieses Blatt noch nicht voll?“ geschrieben habe.

Das Irre ist: Danach konnte ich in Ruhe die Problematik mit meinem Kunden durchdenken und mir alle möglichen Szenarien ausdenken, um eine Strategie zu finden, wie ich da weitermachen soll. Ich musste nur die martialischen Ausdrücke des Mannes aus meinen Gedanken streichen, dann ging es ganz von allein. Und ich hatte sogar noch eine bessere Idee als der Mann gestern, wie er nach dem Frühstück zugeben musste.

Irgendetwas bringen also diese Übungen anscheinend, wenn auch durch die Hintertür.

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