Projekt 80/24: Der erste Monat

2. November 2011

Wow, der erste Monat meines Abnehm-Projekts ist rum – Zeit für einen Rück- und Ausblick.

Worum geht es?

Im Projekt 80/24 versuche ich, mein Gewicht innerhalb von 24 Monaten von 97 kg auf 80 kg herunterzubekommen.

Natürlich könnte man dieses Gwicht vermutlich viel schneller erreichen: durch Hungerkuren, strenge Diät, entsprechende Diätdrinks, -gels etc., ein ausgiebiges Sportprogramm oder vielleicht sogar eine OP. Doch von all diesen Dingen halte ich nichts. Es geht mir nicht darum, möglichst schnell möglichst viel Gewicht zu verlieren und meinen Körper (und Geist) zu quälen, sondern ich möchte dauerhaft ein anderes „Normalgewicht“ haben. Mein Körper soll in einem Zustand sein, wo er sich mit den 80 kg wohl fühlt und nicht ständig meint, für irgendwelche Reserven mehr zulegen zu müssen.

Denn es ist ja so: Ich habe mich in der Vergangenheit zwar nicht überwbewusst ernährt, aber doch recht ausgewogen. Ich bin kein nächtlicher Kühlschrankplünderer, und abgesehen von ein, zwei Appetitanfällen im Monat, wo ich dann eine Tüte Kartoffelchips und eine Flasche Limo vertilge, leide ich nicht unter Freßanfällen. Ein, zwei Stück Schokolade am Tag, keine Tafeln. Einmal im Monat eine Schüssel Pudding, nicht einmal am Tag.

Wie kam es dazu?

Wodurch ich so zugenommen habe, sind vier Faktoren:

1. Ich esse statt zu trinken.
Ich habe häufig Appetit, wnen ich eigentlich Durst haben sollte. vermutlich habe ich Durst, aber mein Körper interpretiert den momentanen Mangel als Appetit (meist auf Süßes oder Salziges). Und dann esse ich. Zwar nur eine Kleinigkeit, aber es summiert sich.

2. Ich esse bei den Mahlzeiten zuviel.
Weil es lecker ist, nehme ich mir fast immer noch einen zweiten, manchmal auch einen dritten Teller, obwohl ich nach dem ersten schon fast satt bin. Es schmeckt mir einfach zu gut. Essen ist für mich etwas sehr Sinnliches, und ich genieße die verschiedenen Geschmäcker in meinem Mund. Davon will ich mehr haben.

3. Ich bewege mich viel zuwenig.
Ich sitze den ganzen Tag: am Computer, im Sessel, am Tisch. Oft über mehrere Stunden in einer Haltung. Das macht nicht nur dick, sondern ist auch äußerst belastend für die Muskeln, die Gelenke und die Augen. Das Haus verlasse ich unregelmäßig, und ich bin generell ein bewegungsfauler Mensch geworden.

4. Ich mache mir mein Verhalten nicht bewusst.
Ich lebe vor mich hin, beschäftige mich mit anderen Dingen, esse wenn ich Hunger habe das, wonach mir gerade der Sinn steht, trinke oder auch nicht, hocke vor meinem Computer bis mir alles weh tut. Mein Kopf beschäftigt sich mit anderen Dingen: mit meiner Arbeit, mit meinen Problemen, mit meiner Persönlichkeit. Mein Körper bleibt außen vor. Ich kümmere mich nicht darum, wie es ihm geht, ich kümmere mich nicht um Kleidung oder Frisur, um mein Erscheinungsbild oder meine Ausstrahlung. Körperliches wird ausgeblendet.

Jumping CatPicture by steve p2008 via Flickr

Der Entschluss

Meine Idee war nun also, an den drei Knackpunkten gleichzeitig anzusetzen: an der Ernährung, an der Bewegung und an der mentalen Auseinandersetzung. Und zwar ist mein Ziel, durch langsame und kleine Verhaltensänderungen Schritt für Schritt zu einem gesünderen Lebensstil und einem liebevolleren Umgang mit meinem Körper zu finden.

Was nützt mir eine Blitzdiät, wenn ich mich nicht mit meinem Ess- und Trinkverhalten beschäftige und hinterher weitermache wie zuvor?

Körper, Geist und Psyche müssen zusammenspielen, wenn dieVeränderung von Dauer sein soll. Das geht nicht von heute auf morgen. Liebgewonnene Gewohnheiten müssen auf den Prüfstand und vielleicht aufgegeben werden, Neues muss gelernt und geübt werden, und die eine oder andere seelische Verletzung aus der Vergangenheit muss heilen. Das geht alles nur Schritt für Schritt.

So dachte ich mir, ein Kilo pro Monat abzunehmen (und dauerhaft los zu sein), ist schon ein recht ehrgeiziges Ziel. Schließlich gibt es Weihnachten, Geburtstage, depressive Phasen, Sommerhitze – alles Dinge, wo mehr gegessen oder weniger bewegt wird, so dass es schwer wird, hier abzunehmen. Also bin ich nett zu mir und erlaube mir Phasen, in denen ich nicht abnehme (aber hoffentlich auch nicht wieder zunehme) und setze das Ziel statt auf 17 Kilo in 17 Monaten auf 17 Kilo in 24 Monaten an.

Zwei Jahre sind eine gute Zeit, nicht so ehrgeizig, dass es Angst oder Druck macht, aber dennoch ein überschaubarer Zeitraum. Wenn ich allein in einem Jahr die Hälfte schaffe, habe ich nächstes Jahr um diese Zeit 8 Kilo weniger drauf! Dieses Gewicht hatte ich seit 7 oder 8 Jahren nicht!

Cat and vegetablesPicture by carabou via Flickr

Die Ziele für den ersten Monat

Babyschritte also, jeden Monat eine kleine Veränderung – und ein Kilo weniger. Soweit der Plan.

Ein Monat erscheint mir ein guter Zeitraum, um neue Gewohnheiten auszuprobieren und zu etablieren. Eine Woche geht’s einem mal schlecht oder besonders gut, das sagt alles nicht viel aus. Nach einem Monat weiß man, was im Alltag funktioniert, was gut tut, und was Erfolge bringt.

Um alle drei Ebenen gleichermaßen in Bewegung zu bringen, fasste ich folgende Ziele für den ersten Monat:

1. Ich esse täglich wenigstens eine Handvoll frisches (rohes) Obst oder Gemüse, und ich trinke täglich wenigstens einen Liter Wasser (zusätzlich zu meinem guten halben Liter Kaffee am Tag).

2. Ich stehe jede Stunde vom Schreibtisch auf, strecke mich und bewege mich 10 Minuten in der Wohnung (Dehnübungen, leichte Hausarbeit wie Aufräumen u.ä.), und ich verlasse jeden Tag mindestens einmal die Wohnung zum Einkaufen oder Spazierengehen.

3. Ich beobachte, wie sich die Veränderungen auswirken, was funktioniert und was nicht, wo es Schwierigkeiten gibt, und was mir leicht fällt. Am Ende jeder Woche sowie nach einem halben Monat mache ich einen kleinen Rückblick mit Erfolgskontrolle und Gewichtsüberprüfung.

Wie ist es gelaufen?

Anfangs war ich voller Enthusiasmus: ein neues Projekt, etwas, was man überwachen kann, Buch führen kann, ein Neustart. Ich kaufte Obst und Gemüse, trank brav mein Wasser, hampelte in kleinen Arbeitspausen in der Wohnung herum und machte kleine Spaziergänge zusätzlich zu meinen Einkäufen.

Ich war voller Energie und Begeisterung. Auf der Waage tat sich so schnell natürlich nichts, aber ich fühlte mich insgesamt besser, motivierter, ausgeglichener.

In der zweiten Woche machte sich eine gewisse Ermüdung breit. Es wurde mir langweilig, immer nur Wassergläser zu zählen und hier ein bißchen Gurke, da eine Birne zu verzehren. Ich wollte mehr, größere Herausforderungen, Neues. Was ich fasziniert beobachtete war, dass ich nach wie vor unheimlich viel Energie hatte. Ich strotzte geradezu vor Tatendrang, machte größere Räum- und Putzaktionen in der Wohnung, ging jeden Tag raus, suchte Kontakt zu Leuten und schaffte auch bei der Arbeit mehr mit weniger Kraftaufwand.

Dasselbe in der dritten Woche. Keine Hänger, selbst als meine Periode bevorstand (und sich diesmal mächtig Zeit ließ). keine Depressionen, keine faulen Tage, kein Rückzugsbedürfnis. Stattdessen volle Power bei guter Laune und ausgeglichener Stimmung.

Nun ist der Oktober generell mein Energiemonat: die Sommerhitze ist endgültig vorbei, die Luft wird klarer, ich kann gemütliche Klamotten tragen, die Farben draußen, das Licht – alles perfekt.

Dazu kam, dass ich immer deutlicher unterscheiden konnte, wann ein Anfall von Appetit tatsächlich etwas mit dem Essen zu tun hatte und wann er eigentlich ein Signal für Durst war. Bis auf einmal hatte ich in diesem Monat überhaupt keine Fressattacke, was für mich sehr ungewöhnlich ist.

In der vierten Woche wurde das System im wahrsten Sinne des Wortes einem Stresstest unterzogen: Ich bekam meine Tage, gleich danach einen mehrtägigen Migräneanfall und dann noch einen Wasserschaden in der Wohnung. Alles kam zusammen, und diese Woche hat mich wirklich ausgepowert. Dennoch bin ich nicht in alte Ess- und Trinkgewohnheiten zurückgefallen, sondern habe die neuen Regeln befolgt, selbst als es mir sehr schlecht ging.

Alles in allem war dieser Monat wirklich erfolgreich: Ich habe mehr und regelmäßiger getrunken, ich habe fast jeden Tag frisches Obst und/oder Gemüse gegessen, ich war fast jeden Tag draußen und habe mich meist mehr als 30 min bewegt, und ich habe angefangen, mein Ess- und Trinkverhalten zu beobachten und zu schauen, was mir gut tut.

Cat drinking water from the tapPicture by CelloPics via Flickr

Was war gut?

Energie. Soviel Energie. Ich fühlte mich stellenweise wie neu geboren. Voller Tatendrang. Alles ist möglich, ich kann alles schaffen. Toll.

Wie ich die Energie genutzt habe. Ich habe viel gearbeitet, so dass jetzt keine Leichen mehr in irgendwelchen Schränken lauern und ich mit allen Projekten auf einem guten Stand bin. Und ich habe einiges in der Wohnung getan, was mir ein gutes Gefühl gibt.

Keine Fressattacken. Na ja, eine, aber die konnte ich ohne große Überwindung abwenden.

Viel Kommunikation. Mit Energie und Tatendrang kam die Lust, mit Leuten in Kontakt zu sein.

Ich denke insgesamt viel mehr über gutes Essen nach. Also Essen, das mir gut tut. Keine Fertigprodukte, keine industrielle Nahrungsmittelproduktion, keine Massentierhaltung, welches Fett, wieviel Salz usw.

Besseres Körpergefühl. Die Muskulatur war (positiv) gespannter, Haut und Augen nicht so trocken, und ich habe nicht unter Verspannungen oder Kopfschmerzen gelitten (bis auf den Migräneanfall).

Zwei Kilo abgenmmen!!!

Was war nicht so gut?

Ich war überrascht, dass es mich soviel Überwindung kostet, regelmäßig zu trinken und Frischzeug zu essen. dass ich mich zum guten manchmal „zwingen“ muss. Ich habe immer gedacht, ich weiß intuitiv, was mir gut tut.

Die Verdauung verändert sich. Dreimal am Tag Stuhlgang zu haben, manchmal mit einem ziemlich heftigen Drang, war nicht immer angenehm. Mein Körper sucht sich einen neuen Rhythmus.

In der vierten Woche ging es mir mit meiner Periode so schlecht wie lange nicht. Keine Ahnung, ob es einen Zusammenhang gibt, aber das war definitiv nicht schön.

Es fällt mir nach wie vor schwer, vom Schreibtisch aufzustehen und etwas in der Wohnung zu machen. Wenn ich in einer Arbeit bin, mag ich nicht unterbrechen, um dann T-Shirts zu falten, sondern ich will weitermachen.

Was hat geholfen?

In der ersten Woche die Reminder auf meiner To-Do-Liste: Pause machen! Trinken! Rausgehen!

Die Strichliste, um den Überblick zu behalten, wieviel ich trinke.

Die Gespräche mit dem Mann über unser Essen und mein Unbehagen bei bestimmten Produkten.

Das ständige Präsentsein der Themen Essen, Trinken und Bewegung. Das hat keinen Druck erzeugt, sondern das Bewusstsein für bestimmte Gewohnheiten gestärkt.

Was will ich ändern?

Ich will nicht mehr Tag für Tag Rechenschaft im Blog ablegen. Das kostet Zeit, und bringt mir nicht soviel. Ich führe weiter meine Liste und schreibe dann lieber eine Wochenzusammenfassung. Oder nehme mir vielleicht jeden Monat ein Thema vor, über das ich nachdenke und zu dem ich dann etwas schreibe.

Cat in the leavesPicture by dougwoods via Flickr

Was habe ich (über mich) gelernt?

Ich habe lange Zeit Signale meines Körpers falsch interpretiert und gegessen, wenn ich eigentlich Durst hatte.

Bewegung draußen tut mir unheimlich gut.

Ich kann ein Vorhaben durchziehen und Tag für Tag etwas dafür tun.

Ich kann neue Gewohnheiten annehmen.

Ich kann meinen Systemen vertrauen.

Meine Seele und mein Geist brauchen ein Zuhause, in dem sie sich wohlfühlen und entfalten können.

Die Erfolge: Monatsziel erreicht!

Ich habe jeden Tag wenigstens 1,3 Liter getrunken, oft mehr – im Schnitt 1,8 Liter pro Tag.

Ich habe bis auf  einen Tag frisches Obst und/oder Gemüse gegessen. Manchmal nur eine halbe Tomate am Tag, aber immerhin. Jeden Tag.

Bis auf fünf Tage war ich jeden Tag draußen und habe mich im Schnitt eine Stunde draußen bewegt.

Von menem Anfangsgewicht von 97 kg bin ich innerhalb eines Monats auf 95 kg runter. Das Durchschnittsgewicht im Oktober betrug 95,8 kg (Sollgewicht: 96 kg).

Wie geht’s weiter?

Es ist nun an der Zeit, die Ziele für November zu formulieren…

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2 Antworten to “Projekt 80/24: Der erste Monat”


  1. […] konnte ich zwar noch meinen Rückblick auf den ersten Monat schreiben, aber ich schaffte es nicht mehr, meine Ziele für November konkret zu formulieren. Im […]


  2. […] der erste Monat grandios verlaufen ist und ich im zweiten Monat mein Programm trotz reichlich Stress durchgehalten […]


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