Logbuch Dienstag, 18. November 2014

18. November 2014

„Ausgeschlafen“ (also ohne Wecker aufgewacht) bis um 6:00 Uhr.

Dann nach verkürzter Morgenroutine in einem Rutsch durchgearbeitet bis kurz nach elf. Die Magazin-Seite, was sonst?

Weil H. morgens zu Kunden musste, konnte ich das Frühstück ausfallen lassen und ohne Unterbrechung durcharbeiten. Nicht gesund, nicht erstrebenswert, aber manchmal eben der einzige Weg, etwas voranzubringen.

≈≈≈≈

Philae: Paolo Ferri hat gestern ein Interview auf hr-iNFO gegeben. Ich kann online noch keinen Mitschnitt finden (nur ein Interview vom 7.11.2014), aber er hat sich wohl u.a. zur Oberfläche geäußert: So soll die Oberfläche recht hart sein (wissen wir ja bereits von dem gescheiterten Hammer von MUPUS), vermutlich aus Eis bestehen und von einer mehrere Zentimeter dicken Staubschicht bedeckt sein (vermutlich das fluffige, poröse Material mit schlechter Wärmeleitfähigkeit, das MUPUS festgestellt hat).

Besonders die hochauflösenden Fotos, die Philae aufgenommen hat, sollen beeindruckend sein und „unglaubliche Strukturen“ zeigen.

Ein Versuch, die Mission erfolgreicher zu reden, angesichts des Gerüchts, das heute aufkam: dass es nämlich SD2 nicht gelungen sein soll, eine Bodenprobe an Bord zu bringen, obwohl der Bohrer erfolgreich ausgefahren worden sei?

Eine gute Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse bringt raumfahrer.net: Kometenlander Philae – Datenauswertung hat begonnen
Hier wird z.B. auch erwähnt, dass in der Atmosphäre des Kometen organische Verbindungen gefunden wurden.

Stephan Ulamec hat sich nochmal zum Landeplatz geäußert – es ist unwahrscheinlich, dass es in Kürze dort hell genug wird, dass Philaes Batterien genug aufgeladen werden. Andererseits würde sich dieser Platz im Frühjahr auch nicht so schnell und so stark aufwärmen wie der ursprünglich geplante Landeplatz, so dass Philae, wenn er „aufwacht“, länger einsatzbereit sein könnte als ursprünglich geplant.

≈≈≈≈

Mittags einen gepflegten Nervenzusammenbruch gehabt: Alles wächst mir über den Kopf, die Anforderungen sind riesig, die Zeit knapp, und alles, was schief gehen kann, geht auch schief (Hi, Murphy!). Heulen, Schreien, Zähneklappern.

Durch Meditation und ein anschließendes Assessment wieder halbwegs beruhigt. Stattdessen nun Kopfschmerzen. Aspirin hilft nicht.

Weitermachen!

≈≈≈≈

Um 16:00 Uhr gebe ich offiziell auf, es hat keinen Sinn weiterzumachen, ich kann mich nicht konzentrieren.

≈≈≈≈

Kurzer Kindle-Support bei M. Der Kleine will nicht mehr aus dem Standby-Modus aufwachen. Ein Reset hilft.

≈≈≈≈

Philae: Einer der MUPUS-Entwickler weist darauf hin, dass die ESA für die Geräteentwicklung strenge Vorgaben gemacht hat: So durfte das Gerät nicht mehr als 1,5 kg wiegen und nicht mehr als 2 Watt verbrauchen. Zudem hatte man mit einer lockeren Kometenoberfläche aus Eis gemischt mit Staub, Steinen oder Kies gerechnet, nicht mit einem harten Eisklotz. So ist verständlich, dass MUPUS nicht mit einem Hochleistungs-Bohrhammer ausgestattet war… (mehr hier, allerdings auf Polnisch: Zaskakujące pierwsze wyniki działania MUPUS-a [Crazy Nauka])

Die ESA veröffentlicht derweil weitere MUPUS-Ergebnisse:

  • Da einige MUPUS-Sensoren in den Landeharpunen integriert sind, konnten hier keine Daten erhoben werden, weil die Harpunen sich nicht am Kometenboden festgehakt haben.
  • Ein Infrarotsensor, der als „Therma Mapper“ (TM) bezeichnet wird hat die ganze Zeit während des Absinkens von Philae und während der drei Touchdowns die Temperatur gemessen.
  • Am endgültigen Landepunkt von Philae wurde an der Außenseite des Landers eine Temperatur von -153°C gemessen.
  • Nach dem Ausfahren des sogenannten „Penetrators“ (PEN), der etwa 1,5 m vom Lander ausgefahren und mit einem elektromagnetischen Hammermechanismus in die Kometenoberfläche getrieben werden sollte, maßen die Sensoren an der Spitze des Geräts über die nächsten ca. 30 Minuten einen Temperaturabfall um ca. 10°C.
  • Der Temperaturabfall kam entweder dadurch zustande, dass Wärme von der Sonde an die benachbarte kalte Wand abgegeben wurde, oder dass die Sonde in einen kalten Staubhaufen geschoben worden war.
  • PEN versuchte dann, in die Kometenoberfläche einzudringen; dies gelang aber selbst auf höchster Stufe nur einige Millimeter tief.
  • Der Vergleich mit Laborwerten legt nahe, dass die Oberfläche eine vergleichbare Härte hat wie massives (Wasser-)Eis.
  • Auf der Grundlage der Daten von TM und PEN vermuten die Wissenschaftler, dass die Oberfläche des Kometen aus einer mechanisch starken Schicht aus Eis oder einer Eis-Staub-Mischung besteht, die von einer 10-20 cm dicken Staubschicht bedeckt ist.
  • Wie andere Messungen von Bord der Rosetta-Sonde nahelegen, wird das Eis in tieferen Schichten poröser. Dafür spricht auch die allgemein geringe Dichte des Kometenkerns.
  • Sollte Philae nochmal „erwachen“, könnte MUPUS seine Arbeit fortsetzen und beispielsweise die Staubschicht untersuchen, in der die Sonde steckt und beobachten, wie sie sich bei der weiteren Annäherung an die Sonne verhält.

(Quelle: Philae settles in dust-covered ice (Rosetta Blog, 18.11.2014))

≈≈≈≈

Immerhin kommt kurz vor Feierabend noch eine Mail von einer anderen Kundin – eine (von mir) doch einigermaßen gefürchtete Anpassung an einer Seite muss nun doch nicht vorgenommen werden. Endlich mal eine gute Nachricht..!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: