Philae:

  • kurz vor Ende des nächtlichen Kommunikationsfensters ist Philae der Saft ausgegangen; wegen Energiemangels wurden alle wissenschaftlichen Systeme heruntergefahren, und der Roboter befindet sich im Stand-by-Modus; sollte irgendwann genug Sonnenlicht auf die Kollektoren fallen, um die Batterie genügend aufzuladen, kann Philae wieder aufwachen
  • Kontakt bestand von 23:19 Uhr MEZ bis 01:36 Uhr MEZ; bis zuletzt wurden Statusmeldungen des Systems übertragen
  • Philae wurde etwas gedreht, in der Hoffnung, so mehr Sonnenlicht auf die Kollektoren zu bekommen; Philae konnte um 4cm angehoben und um 35° gedreht werden; damit soll das Licht, das derzeit auf ein kleineres Panel fällt, vom größeren Panel aufgefangen werden
  • Rosetta wird auch zukünftig bei jedem möglichen Kommunikationsfenster auf Signale von Philae warten
  • ein nächstes Fenster wäre heute gegen 11:00 Uhr MEZ
  • hätte Philae genug Sonne bekommen, hätten vermutlich bis etwa März 2015 Experimente durchgeführt werden können; dann wird es vermutlich zu heiß auf dem Kometen
  • der Bohrer SD2 wurde vollständig aus- und wieder eingefahren; ob Proben entnommen und analysiert werden konnten, ist noch nicht bekannt
  • alle für Phase 1 geplanten Experimente konnten durchgeführt werden, und anscheinend konnten auch alle Messdaten heute Nacht noch übertragen werden, insofern war die Philae-Mission ein voller Erfolg!
  • Neuigkeiten zur Landung und zur Position: mit Hilfe der NAVCAM-Bilder von Rosetta konnte der Ort des ersten Touchdowns ziemlich genau bestimmt werden; jetzt muss analysiert werden, ob man daraus die Abprallrichtung erkennen kann, was die Berechnung der folgenden Flugbahn erleichtern würde

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Traurig, dass es (erstmal) vorbei ist. Philae hat mich die ganze Woche begleitet, ich habe mitgefiebert, gelesen, gelernt, erlebt, gefühlt, gelebt. Im Moment ist alles noch durchdrungen von der Erfahrung des Besonderen, leuchtet. Dieses Gemeinschaftsgefühl, die freudige Erwartung, Aufregung, Angst, das Mitbangen. Das Gefühl, Teil von etwas „Großem“ zu sein.
Nun kommt wieder die Alltagsroutine, der besondere Moment wird bald Geschichte sein. Was bleibt? Man wird sehen.

Für mich bleibt die Gewissheit, dass ich noch etwas spüren, mich freuen, ja begeistern kann. Etwas, was ich kaum noch für möglich gehalten hatte. Dafür: Danke!

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Mich auf die Arbeit zu konzentrieren, fällt mir weiterhin schwer. Immer behalte ich die ESA-Twitter Feeds im Auge: Vielleicht gibt es ja doch nochmal einen Kontakt (das Kommunikationsfenster ist offen)? Oder Neuigkeiten von der morgendlichen Wissenschaftskonferenz? Aber nichts tut sich.
Ich mag noch nicht wieder zurück zur Routine.

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Emotionale Katerstimmung. Back to reality. Slowly, slowly. Ich mag nicht, es war so schön…

Was ist diese Woche geschehen, und wie geht es mir damit?
Das Schlechte zuerst:

Die unschönen Erlebnisse

Ich. Stecke. Fest.

Die erste Arbeitswoche im neuen Jahr – eigentlich immer eine Zeit des Aufbruchs, das Gefühl, die erste, leere Seite eines neuen Notizbuchs aufzuschlagen, das erste Mal „09“ im Datum schreiben.

Dieses Jahr war es anders. Ich war total unmotiviert und lustlos. Und ich konnte es ganz schlecht annehmen. Ich dachte ständig „Aber Du musst doch etwas tun. Du musst Geld verdienen. Du musst die Zeit nutzen, um Kundenprojekte weiterzuführen, sonst wird es wieder einen Riesenstress geben.“ Du musst, musst, musst.

„Du musst“ erzeugt Widerstand: „Ich will aber nicht! Ich kann nicht! Es ist mir alles zuviel! Es macht keinen Spaß! Wofür mache ich das denn alles, wenn nicht für mich? Soll ich mein Leben mit etwas verbringen, das mich krank macht?!“

Ich steckte fest. Und ich fand lange keinen Zugang zu meinen Gefühlen. Zu meiner Unlust. Zu dem Gefühl der Aussichtslosigkeit. Zu der Angst.

Und mir ging es gar nicht gut damit.

Mir selbst nicht verzeihen können

Ich habe eine Weile gebraucht, um eine Ursache meiner Depression zu identifizieren: Ich konnte mir selbst bestimmte Dinge nicht verzeihen. Fehlverhalten. Reaktionen auf das, was andere sagten oder nicht sagten. Tatsächliches oder vermeintliches Versagen meinerseits.

Diese Erkenntnis hat mich erschreckt: Was ist das für eine Instanz in mir, die so streng zu mir ist? Ich bringe größtes Verständnis für jeden möglichen Blödsinn bei anderen Leuten auf und bin so gnadenlos unversöhnlich mir selbst gegenüber? So nachtragend?

Ich bin froh, dass ich diesen Wesenszug bei mir entdeckt habe und werde wohl noch eine Weile daran und damit arbeiten.

Vorwürfe

Es ist ganz schlechtes Timing, wenn man gerade dabei ist,  die eigene Unversöhnlichkeit sich selbst gegenüber anzuerkennen, und dann taucht jemand aus der Familie auf, von dem man erwartet, dass er ein gewisses Verständnis für die eigene schwierige Situation aufbringt, und dieser Jemand konfrontiert einen dann unausgesprochen mit Vorwürfen, die in den eigenen Augen völlig lächerlich, überzogen und egoistisch wirken.

Natürlich ist dies der falscheste Zeitpunkt, selbst geduldig und liebevoll zu sein, und das Gefühl, nicht „gesehen“ zu werden, entlädt sich in unbändiger kindlicher Wut mit Schreien, Tränen und Sachen Schmeißen. Zum Glück findet diese Entladung nicht gegen den besagten ‚Jemand‘ statt, sondern bereits kanalisiert im heimischen Wohnzimmer vor einem leicht irritierten und verständnislosen Mann, dem das alles etwas übertrieben vorkommt.

Gerade erkenne ich, dass ich mir selbst bestimmte Dinge schwer verzeihen kann – erkenne also, dass ich massive Selbstvorwürfe mit mir herumtrage -, da kommt aus der Ecke, wo ich eigentlich Schutz und Unterstützung erwarte, die nächste Breitseite. So etwas tut nicht gut.

Die schönen Erlebnisse

Der Mann ist wieder da!

Wie gut das tut, endlich wieder mit dem engsten Vertrauten und wichtigstem Mitstreiter Seite an Seite zu stehen! Die kleinen und großen Alltagsirritationen besprechen zu können. Sich Mut zu holen und Mut zuzusprechen. „Gemeinsam schaffen wir das.“ Ja!

Weinen können

Endlich. Nicht aus totaler Erschöpfung oder Verzweiflung, sondern aus Erleichterung, aus dem Gefühl heraus, dass sich ein Knoten löst, etwas Schmerzhaftes geteilt werden kann, etwas Blödes zu Ende geht.

Danach habe ich zum erstenmal seit zwei Wochen wieder besser geschlafen.

Ein Weg wird sichtbar

So hart es war, etwas Neues über mich zu erfahren, so sehr hat das doch auch Dinge in Bewegung gebracht. Alte Gedanken werden neu betrachtet, Einschätzungen überdacht, Handlungen aus einem anderen Blickwinkel gesehen.

Ein Weg hat sich aufgetan, bestimmte Dinge in meinem Leben anders oder besser zu verstehen und künftig liebevoller und verständnisvoller mit mir umzugehen.

Dafür bin ich unendlich dankbar.

Was für eine Woche geht, funktioniert natürlich auch für ein Jahr. Also, was war schwierig in 2008 und was schön? Wie immer das Schwierige zuerst:

Unschöne Erlebnisse

Drei Todesfälle (und keine Hochzeit)

Ich denke in Trauer an drei nahe Menschen, die dieses Jahr gestorben sind. Einer mit 64 an Herzinfarkt, eine mit 60 an Organversagen in Zusammenhang mit Krebs und einer mit 50 an Lungenversagen. Alle starben wenige Wochen vor ihrem Geburtstag und alle viel zu früh.

Wenn heute nacht die Sektkorken knallen, werde ich an sie denken und einen Toast aussprechen – für alle, die mit uns sind und alle, die nicht mehr mit uns sein können.

Schulden, Schulden, Schulden

Auch wenn die Zahlungsfähigkeit dieses Jahr etwas weiter vom Abgrund entfernt angesiedelt war als 2007, habe ich doch zusätzliche Schulden machen müssen, um mich über Wasser zu halten. Die psychische Belastung, die damit einhergeht, ist enorm. Ich arbeite daran, aber es braucht Zeit.

Gesundheit

Unter den Anspannungen hat meine Gesundheit gelitten. Ich war die meiste Zeit des Jahres müde, schlapp und antriebslos, habe zugenommen und litt unter Depressionen. Erst in den letzten Wochen ging es mir etwas besser, was vor allem an Erfolgen im Job lag, die mich aufgebaut haben.

Das Schöne in 2008

Mehr Selbstsicherheit

Ein ganzer Haufen verschiedener Faktoren hat dazu geführt, dass ich einige berufliche Erfolge zu verzeichnen hatte. Keine finanziellen Erfolge (leider), aber schwierige Situationen, in denen ich mich durchgesetzt habe, Projekte, die ich gestartet habe, Präsentationen, die ich gemacht habe.

Diese Erfolge (die ohne den Mann undenkbar gewesen wären – Danke!) haben dazu geführt, dass ich erstmals mein berufliches Profil deutlich herausgearbeitet habe und das nun auch Fremden in wenigen Sätzen vermitteln kann. Alles in allem habe ich jede Menge Sicherheit gewonnen, die sich unter anderem sarin ausdrückt, dass meine Telefonangst praktisch verschwunden ist (denn ich weiß jetzt, was ich auf kritische Fragen antworte, denn ich weiß, wer ich bin)!

Auch im zwischenmenschlichen Bereich macht sich diese Sicherheit bemerkbar, denn ich kann jetzt sehr viel besser meine Grenzen erkennen und sie  anderen gegenüber setzen, ohne Menschen vor den Kopf zu stoßen!

Ich trete souveränder auf und scheine auch auf Fremde anders zu wirken, denn ich bekomme jetzt so oft ein Lächeln oder eine Mini-Konversation – sogar hier im muffigen Berlin!

Eigene Projekte

Auch wenn sie (noch) kein Geld einbringen, ich bin stolz auf sie wie nur irgendwas: Meine drei eigenen Internet-Projekte, die ich in diesem Jahr auf die Beine gestellt bzw. vorangetrieben habe.

Etwas zu tun, was ICH für richtig halte, ist schon großartig. Aber dann zu erleben, dass auch andere Menschen damit etwas anfangen können, hat mir einen riesigen Auftrieb gegeben.

Ich hoffe, es gelingt mir, 2009 noch mehr auf meine innere Stimme zu hören und Dinge einfach auszuprobieren. Den Freiraum dafür muss ich mir einfach nehmen, denn wer weiß, was dabei herauskommt…

40

Für viele Frauen ein Grund, den Personalausweis zu fälschen – für mich das beste Alter, in dem ich je war! Ich habe mich wie blöd auf meinen 40. Geburtstag gefreut und bin nach wie vor überzeugt: DAS IST MEIN (LEBENS-)JAHR!!!

Und wirklich: Seit meinem Geburtstag habe ich ein gutes Maß an innerer Ruhe gewonnen, bin in nervigen Dingen kompromissloser egoistisch und fühle mich insgesamt großartig.

Was ist diese Woche geschehen, und wie geht es mir damit?
Das Schlechte zuerst:

Die unschönen Erlebnisse

Ich war mit dem Mann eine Woche bei der Schwägerin zu Besuch, weil die Schwiegermutter 90 Jahre alt wurde. Traditionell werden der Geburtstag der Schwiegermutter und Weihnachten im Haus der Schwägerin gefeiert.

So gern ich diese Menschen habe, ist doch ein Aufenthalt im fremden Haus – vor allem zu Weihnachten – eine Belastungsprobe für alle Beteiligten: Keiner kann seinen gewohnten Rhythmus leben, es gibt anderes Essen zu anderen Zeiten, und, was für mich besonders anstrengend ist, man ist praktisch ständig von Menschen umgeben.

Insofern haben meine unangenehmen Erfahrungen auch hauptsächlich mit der Durchbrechung von Gewohnheiten und Routinen zu tun, die anstrengend für mich waren:

Distanz

Obwohl ich freundlich empfangen wurde, spürte ich die ganze Zeit eine Distanz von Schwägerin und Schwager. Es war, als mochten sie mich nicht besonders. Früher hatte ich dieses Gefühl bei ihnen nicht so ausgeprägt. Hatte ich mich verändert? Oder war bei ihnen irgendwas los, von dem ich nichts weiß?

Die Schwägerin verhielt sich, als würde ich permanent ihren Lebensstil in Frage stellen und sie herablassend behandeln; sie war in einer dauernden Verteidigngs- und Rechtfertigungshaltung. Beim Schwager empfand ich es ähnlich, nur dass er anders damit umging, nämlich mit kleinen Sticheleien und Mini-Provokationen.

Seltsam. Gut, ich war wie immer, ein bißchen zynisch, ein bißchen provokant, ein bißchen besserwisserisch – aber so kennen sie mich doch?

Mit der Schwiegermutter hingegen komme ich bestens klar; sie akzeptiert mich wie ich bin und mag mich auch, das ist spürbar. Vielleicht liegt es daran, dass sie selber nicht auf den Mund gefallen ist und es mag, wenn ihr jemand kontra gibt. Die Schwägerin kommt damit überhaupt nicht klar, es verunsichert sie sehr.

Kein Rückzugsort

Das Haus der Schwägerin ist groß, aber sieben Menschen brauchen eben auch Platz. Wir schliefen im Zimmer des Neffen, der nachts zu seiner in der Nähe wohnenden Freundin umzog. Tagsüber hielt er sich natürlich in seinem Zimmer auf, so dass wir quasi „heimatlos“ waren. Jedes Zimmer war irgendwie belegt oder „öffentlich“, so dass es schwer für mich war, mich mal eine Stunde zurückzuziehen oder mich nachmittags hinzulegen. Das hat mir am meisten ausgemacht und dazu geführt, dass ich abends immer früher ins Bett gegangen bin, um noch eine halbe Stunde für mich zu sein.

Angst davor, nach Hause zu kommen

Das Schlimmste für mich war, dass ich angst hatte, allein nach Hause zu fahren. ich musste mich da wirklich ein paar Tage vorher mental vorbereiten, Samstag abend allein hier in meiner Wohnung zu sein.

Ich fürchtete mich davor, sofort von Erinnerungen an die Tage und Wochen vor unserer Abreise überflutet zu werden, gleich wieder alle Sorgen im Kopf zu haben und mich in meiner Wohnung, die ich zunehmend als chaotisch und überfüllt empfinde, nicht mehr wohl zu fühlen.

Ich hatte Angst, dass mir mein einziger Rückzugsort abhanden gekommen ist.

Zum Glück war es nicht so, ich habe mich gleich wohl gefühlt und hatte keine negativen Gefühle, als ich ankam. Aber die Angst war erschreckend: Möglicherweise keinen Platz zu haben, an dem ich mich sicher und geborgen fühlen kann.

Umso wichtiger erscheint es mir, meine Wohnung jetzt meinem veränderten Innenleben anzupassen und mich von Zeug zu trennen. Ebenfalls muss ich das Thema Schulden und Existenzsicherung weiter bearbeiten, denn das verursacht mir die meisten Bauchschmerzen.

Die schönen Erlebnisse

Natürlich gab es auch viel Schönes in dieser Woche, denn immerhin war Weihnachten, ein Fest, das ich sehr liebe.

Essen

In bezug auf Essen und Trinken bin ich ein absoluter Genussmensch, und da bin ich beim Schwager genau richtig. Ohne uns zu überfressen, haben wir mehrere Tage geschlemmt: Italienische Wurst, Schinken und Käse zum Frühstück, ein Menu zum Geburtstag der Schwiegermutter beim ersten Italiener am Platze, Steaks mit Kartoffelsalat am Heiligen Abend, Gänsebrust mit Klößen und Rotkohl am 25. und Rehrücken mit Broccoli am 26.12.

Dazwischen immer wieder Imbisse mit diesem leckeren Aufschnitt, Krabbensalat, Lachs, Kuchen und Kekse oder auch mal ein leckerer Feld- oder Obstsalat.

Dazu gab es alle möglichen Weine und sogar mal ein Schlückchen Whisky…

Geschenke

Ich liebe es, Geschenke zu bekommen (und zu machen). Insofern kam mir die Kaufmanie der Schwägerin „gelegen“, denn es gab für jeden schöne Sachen. Für mich Gästehandtücher und einen schönen weihnachtlichen Wandbehang, den man auch zum Adventskalender umfunktionieren kann, und für uns beide zusammen einen amtlichen Fresskorb mit allerlei Leckereien.

Andere fühlten sich etwas erschlagen, aber ich bin es seit meiner Kindheit geradezu gewohnt, reich beschenkt zu werden, da habe ich das richtig genossen, mal wieder Überraschungspakete öffnen zu dürfen, wo ich nicht vorher weiß, was mich erwartet.

Es ist ein Überfluss, und ich genieße ihn.

Nach Hause kommen

Im Zug spüren, wie ich langsam in mein gewohntes Gefühlsleben schlüpfe wie in einen alten, sehr bequemen Mantel. Auf dem spätabendlichen Nachhauseweg vom Bus vom Tagesspiegel-Verkäufer gegrüßt zu werden. Keine furchtbaren Briefe im Kasten. Meine ganz persönliche, ausgesuchte Weihnachtsdekoration auf dem Fernsehregal. Meine selbstgebackenen Kekse auf dem Tisch. Die aufgeräumte Küche. Ein schwedischer Film im Fernsehen. Mein Bett. Und dann heute morgen: Kalte, klare Luft und Sonnenschein. Die Sorgen noch weit weg. Das Gefühl: Feiertag (nun, eigentlich Sonntag, aber das schert das Gefühl nicht). Weihnachten. Winter. Ruhe. Frieden. Ich. hier. Allein. Und ab heute abend wieder mit Kater.

Schön.

Was ist diese Woche geschehen, und wie geht es mir damit?
Das Schlechte zuerst:

Die unschönen Erlebnisse

Beerdigung

Grundsätzlich habe ich kein Problem mit Beerdigungen, und ich weiß nicht, warum es diesmal anders war. Die Beerdigung selbst war auch gar nicht das Problem, eher die Zusammenkunft von Freunden, Bekannten und Weggefährten danach.

Man traf sich in seiner Stammkneipe, die Atmosphäre war friedlich, ein wenig nachdenklich, aber auch fröhlich. Im Großen und Ganzen kannte man sich.

Mir selbst war gar nicht so sehr nach Begegnung zumute; ich befand mich in einem seltsamen Gefühlszustand, wie der Wirklichkeit entrückt. Ich wollte nicht gehen, ich wollte nicht bleiben, ich wollte nicht sitzen, ich wollte nicht stehen, ich wollte nicht reden, ich wollte nicht schweigen.

Ich war wie in einem Schwebezustand – am liebsten hätte ich mich irgendwo in vollständiger muskulärer Entspannung befunden und einfach vor mich hin gestarrt.

Dieser Zustand war sogar ziemlich angenehm, aber ich konnte ihm nicht nachgeben. Stattdessen habe ich im Laufe des Tages mit vielen bekannten und unbekannten Menschen gesprochen und dabei soviel Fremdenergie aufgenommen, dass es mir am Ende wirklich schlecht ging und ich nicht einmal mehr vor Erschöpfung weinen konnte, obwohl das genau das war, was ich am liebsten getan hätte.

Verstörte Kommunikation

Der Dienstleister eines Kunden soll mir eine bestimmte Information zukommen lassen und macht den ganzen Vorgang so kompliziert, dass ich nur noch dastehen und den Kopf schütteln kann. Erst behandelt er mich herablassend, dann versucht er, bei mir Schuldgefühle auszulösen und schließlich ist er nur noch bockig.

Er hätte mir nur einmal in drei Sätzen einen Sachverhalt erklären müssen, aber stattdessen lebt er an mir irgendeinen persönlichen Frust aus.

Ich habe zunehmend weniger Geduld für solche Spielchen, die nichts mit mir zu tun haben und mich auch nicht interessieren. Leute, holt Euch Hilfe, wenn ihr mit Eurem Leben nicht klarkommt, aber belastet Eure Umwelt nicht mit diesem undifferenzierten Mist!

Unschöne Entdeckung

Ich habe mich endlich daran gemacht, ein paar der Briefe von Gläubigern aus den letzten Wochen zu öffnen und dabei entdeckt, dass meine Krankenkasse ein Vollstreckungsverfahren gegen mich eröffnet hat.

Es hat mich viel Kraft gekostet, mich deswegen nicht selbst zu zerfleischen, aber angenehm war diese Erfahrung trotzdem nicht. Dann noch die tagelange Angst, mit dem Mann (meinem unfreiwilligen und unbezahlten „Schuldenberater“) darüber zu sprechen.

Ich tat es dann schließlich doch, und es wurde die Erleichterung der Woche, dass er mir nicht nur nicht den Kopf abgerissen hat, sondern sogar eine wunderbare Zahlungsvereinbarung für mich ausgehandelt hat.

Trotzdem: sehr unschöne Erfahrung und die Erkenntnis, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe.

Die schönen Erlebnisse

Welche Sozialphobie?

Ich bewege mich zunehmend sicher unter anderen Menschen, ob ich sie nun kenne oder nicht. Ich knüpfe Kontakte (in meinem Tempo und auf meine Weise), ohne mir Mut antrinken zu müssen, ich grenze mich ab, wenn mir etwas zu viel wird, ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen, und ich werde von vorher fremden Menschen zum Abschied umarmt, also war ich wohl keine Katastrophe.

Ein Großteil dieser Sicherheit kommt daher, dass ichandere Menschen nicht mehr wie Wesen von anderen Planeten betrachte, sondern sie sehe wie ich mich fühle: als Menschen mit Problemen, mit Macken, mit Vorlieben, mit Hemmungen und Ängsten, die sich in dieser Welt ähnlich unsicher fühlen wie ich, nur eben auf ihre Weise.

Ich spüre ein „Wir sitzen alle im selben Boot“. Ich nehme Unsicherheit wahr, wo ich früher Feindseligkeit gespürt habe und Angst, wo früher Arroganz war. Und ich trete den Menschen mit liebevollem Respekt entgegen, ohne mich anzubiedern oder mich so zu verbiegen wie ich denke, dass sie mich haben wollen.

Emoltionale Kompetenz.

Hydronymie

Hydronymie ist ein Teilgebiet der Linguistik, das sich mit der Erforschung der Namen von Gewässern beschäftigt und wie sich diese im Laufe der Geschichte wandeln.
(Science at Home)

Im Anschluss an die Beerdigung nahm ich auf dem Heimweg noch einen Absacker und traf einen alten Bekannten, der sich unter anderem viel mit Geschichte, Philosophie und Linguistik befasst, und mit dem sich ein wunderbares Gespräch über Etymologie entspann.

Vom Lateinischen kamen wir zum Indogermanischen und landeten schnell bei den Namen für Gewässer und Landmarken wie Berge u.ä.

Solche Gespräche tun mir von Zeit zu Zeit unglaublich gut, auch wenn mir dabei immer bewusst wird, wie viele Dinge, die ich einmal gelesen habe, ich wieder vergesse.

Trotzdem: Ein gutes Gegengewicht zu allzu viel Emotion.

Katzenliebe

In den letzten Monaten habe ich ein paarmal den Kater eines Freundes für ein paar Tage versorgt. Der Kater ist jung und halbwild aufgewachsen und daher Fremden gegenüber sehr zurückhaltend.

Er erkennt mich aber mittlerweile, wenn ich alle paar Wochen zu ihm in die Wohnung komme, begrüßt mich auch mit Zwinkern und Miauen und fordert sein Futter ein. Anfassen ließ er sich jedoch nie.

Diesmal schmolz sein Widerstand, leider erst an unserem letzten Tag, aber dafür auf wirklich rührende Weise: Ich war in der Küche zugange, um meine Sachen zu packen, da schrie er aus dem Wohnzimmer. Ich ging hin, um nachzusehen, er erwartete mich, miaute mich an, sprang dann auf seinen Kratzbaum, setzte sich etwa auf meiner Augenhöhe hin und begann, dem darüberliegenden Brett Köpfchen zu geben.

Ich hielt meine Hand hin, und er rieb sich behaglich, und dann durfte ich ihn eine ganze Weile hinter den Ohren und im Nacken kraulen. Schmelz!!