Logbuch Weihnachten 2014

28. Dezember 2014

Dienstag, 23.12.2014

M. getroffen und mit ihr (wegen Gehbehinderung) einkaufen gewesen. Einer Frau einen von ihr versehentlich gekauften und nicht umtauschbaren IKEA-Gutschein abgekauft. Das Fleisch fürs Weihnachtsessen abgeholt und M.s Vorratskammer für die Feiertage aufgefüllt.

Anschließend zur (menschenleeren) Post, um ein Päckchen abzuholen: „Hatten Sie hier eine Bombendrohung?“ – „???“ – „Na, weil es so leer ist!“ – „Freuen Sie sich doch!“ – „Mache ich ja, ich kann es nur nicht fassen.“ – „Das sieht nachher hier auch ganz anders aus.“
Note to self: Wenn zur Post, dann am 23.12. gegen halb drei nachmittags.

Anschließend noch eine Einkaufsrunde für uns: ein kleiner Spezialkuchen für Heiligabend zum Kaffee, Räucherlachs (mit der leckeren Honig-Senf-Soße) fürs Weihnachtsfrühstück, frischer Aufschnitt, ebenfalls fürs Weihnachtsfrühstück. In den Geschäften ist es voll. Hier sind also alle… Ob das später besser ist, wenn alle bei der Post sind…?

Zu Hause ist H. schlecht gelaunt dabei, Bad, Klo und Böden zu putzen. Obwohl ich immer wieder darauf hinweise, es nicht zu übertreiben, nur das Nötigste zu machen, ins Bad gehe doch außer uns niemand, zieht er (fast) das ganze Programm durch. Nur das Abwaschen der Kacheln mit Essigessenz lässt er diesmal dankenswerterweise aus. Immerhin bessert sich seine Laune etwas. Alleine arbeiten ist doof, das sehe ich ein. Etwas Publikum, etwas Bewunderung tut gut. Wer kennt das nicht.

Ich gehe nochmal runter in das kleine Lädchen, um noch ein letztes Geschenk für M. zu erstehen. Zum Glück ist es nicht zu voll, und ich werde fündig.

Dann backe ich die letzten beiden Sorten Kekse und versehe zwei Sorten mit Zuckerguss. Dann wird im Wohnzimmer noch dekoriert und der Leuchter mit Kugeln behangen.

Als es endlich Essen gibt, bin ich platt und kann vor Rückenschmerzen kaum noch aufstehen. Ins Bett schaffe ich es aber noch.

≈≈≈≈

Mittwoch, 24.12.2014

Zum Frühstück Guacamole. Danach ist mir so schlecht, dass ich mir am liebsten den Finger in den Hals stecken möchte. Dabei ist noch so viel zu tun! Mit Todesverachtung bestreiche ich die letzten Kekse mit Zuckerguss. Dann muss ich kurz in den Sessel und lese etwas. Die Ruhe tut gut, aber es gibt noch so viel zu tun!!!

Ich rapple mich also auf und gehe nochmal los, um Pralinen für M. zu kaufen. Sonst wäre das gestern gekaufte Geschenk (eine kleine Etagère) so kahl. Mir geht es richtig mies. Die Bewegung an der frischen Luft tut für den Moment zwar gut, hilft aber nicht wirklich. Am liebsten würde ich alles abblasen und mich mit einem Buch ins Bett legen. Weihnachten ist mir jetzt schon zu viel. Anscheinend bin ich an der Grenze meiner Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit angelangt.

Kurz nach 13:00 Uhr fährt H. los, um M. abzuholen. Ab jetzt habe ich knappe zwei Stunden, um alles fertig zu machen, und es gelingt knapp: Zwei Geschenke einpacken, die Etagère anrichten und dekorieren, die Lichterkette und Glasfiguren an den Weihnachtsstrauß, die verschiedenen Weihnachtsmänner aufstellen, die Tischdekoration (Tannengirlande mit Kugeln, getrockneten Orangen, Zapfen und Lichterkette) anfertigen, die leeren Kartons wegräumen,, Keksteller anrichten und mich festlich anziehen. Ich sitze gerade 5 Minuten im Sessel und schaue „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, als es an der Tür schließt. Puh!

Den Nachmittag und Abend verbringe ich damit, mich zusammenzureißen, Bauch- und wachsende Kopfschmerzen zu ignorieren, Konversation zu betreiben, zu lächeln, mir bissige Kommentare und Besserwisserei zu verkneifen und mich aus der Kochdiskussion zwischen M. und H. herauszuhalten. Die Stunde Auszeit, während die beiden – zunehmend voneinander genervt, dies aber nicht zeigend – in der Küche verbringen, kommt mir sehr gelegen.

Das Essen ist lecker und gerade so zu bewältigen: Als Vorspeise kalte, aber gegarte Rote Bete mit warmem Ziegenkäse (leckere Kombination, aber man hätte besser die eingelegten Rote Bete genommen oder die Scheiben angewärmt und etwas gewürzt), als Hauptgang Schweinefilet mit einer Füllung aus Kräuterfrischkäse, gehackten Mandeln und getrockneten Tomaten, dazu frische Tagliatelle, leicht mediterran gekräuterte grüne Bohnen und eine leckere Weißweinsoße, als Beilage ein Chicorée-Clementinen-Salat, der eher nicht dazu passte. Zum Nachtisch etwas Leichtes: Zitronencreme mit frischer rosa Grapefruit. Zum Essen gab’s einen trockenen Riesling vom Mittelrhein.

Bescherung hatten wir vor dem Essen gemacht, und irgendwie klappten wir nach dem Essen alle zusammen. Sonst haben wir bei ähnlichen Gelegenheiten noch mehrere Flaschen Wein und diverse Schnäpse und Liköre niedergemacht, aber diesmal waren wir alle platt und hatten genug.

So brach H. bald auf, um nach Hause zu gehen, während M. und ich uns bettfertig machten. War ich froh, als ich lag und sie begann, tief zu atmen!!!

≈≈≈≈

Donnerstag, 25.12.2014

Jedes Mal wenn M. bei mir schläft, macht sie sich vorher Gedanken, was sie denn dann morgens anfangen soll, „bis Ihr alle soweit seid“. Und jedes Mal schläft sie bis 9:00 Uhr oder so, wo alle anderen schon lange wach sind. So auch diesmal.
Mir war es recht, denn so konnte ich in Ruhe wach werden und mich an meine immer noch hämmernden Kopfschmerzen gewöhnen.

H. kam wie verabredet um 9:30 Uhr, wir machten gemeinsam Frühstück, packten dann alles zusammen, ich richtete M. noch was auf ihrem eBook-Reader ein, dann brachten wir sie zum Bus. H. hatte angeboten, sie wieder nach Hause zu bringen, aber sie brauchte diesmal wohl auch etwas Abstand und lehnte dankend ab. Er war auch nicht besonders fit, und so begaben wir uns noch auf eine kleine Spazierrunde in den Park.
Kurz vorher hatte es gegossen, nun toste ein wilder Himmel, abwechselnd klares, helles Blau und Sonne, dann wieder tiefschwarze Wolken – sehr spannend.

Im Park am Teich einen Reiher gesehen, der oben in einem Baum saß und sich sonnte. Diverse Enten, Blässrallen und zwei Schwäne im Teich, Blau- und Kohlmeisen an der Futterstelle, Eichhörnchen. Eher wenig los, auch kaum Menschen.

Als wir schon auf dem Rückweg aus dem Park raus sind, klingelt das Handy: M. hat ihren eBook-Reader bei mir vergessen und kommt nochmal zurück. Wir gehen also nach Hause, ich schleppe mich die Treppen hoch, um den Reader zu holen (ich bin wirklich am Ende, als ich runter komme, zittern mir Beine und Hände, dazu nach wie vor diese üblen Kopfschmerzen…), dann gehen wir zur Bushaltestelle, um auf M. zu warten.

Während wir warten, fängt es wieder an zu gießen, und diesmal sind dem Regen kleine Hagelkörner beigemischt. Dreckswetter. Zum Glück können wir und unterstellen, aber es ist ekelhaft kalt. M. kommt mit dem übernächsten Bus und hat mittlerweile auch die Nase voll. Wir warten noch, bis sie weiterfahren kann, dann machen wir uns auf den Heimweg. An der Ampel treffen wir A. und G., die im Park vom Hagelregen überrascht worden sind. Lose Verabredung auf ein Bier irgendwann um Silvester. Ich will nur noch heim und ins Bett.

Tiefes Gefühl der Dankbarkeit als ich endlich liege und mich ins Federbett mümmeln kann.
Ich döse irgendwann ein und schlafe zwei Stunden.

H. hatte sich auch hingelegt und geschlafen, war aber schon wieder auf und kümmerte sich bereits ums Abendbrot (Reste vom Vortag). Seine Laune war nicht die beste, aber er ist eben auch fertig und kaputt. Das Jahr hat es nicht gut mit uns gemeint, und nun sind langsam auch die letzten Reserven aufgebraucht.

Abends zwei Filme von den Marx Brothers, bei denen ich leider wieder einschlafe…

≈≈≈≈

Freitag, 26.12.2014

Gegen 8:00 Uhr aufgewacht und fast keine Kopfschmerzen mehr. Da wir heute zu P. fahren, befürchte ich aber das Schlimmste, denn P.s Wohnung ist eine überheizte Raucherhöhle. Ich rechne mir aus, etwa zehn Stunden durchhalten zu müssen, denn wir sind bereits zum Mittagessen eingeladen und bleiben meist so bis gegen 22:00 Uhr.

Morgens schneit es kurz und heftig, aber es bleibt nichts liegen, die Straßen und Häuser sind zu warm

Frühstück fällt wegen der erwarteten Fresserei aus, und um halb zwölf machen wir uns auf den Weg. Natürlich haben meine beiden Stamm-Blumenläden zu, also muss ich zu einem Ersatzladen, der aber absolut nichts Brauchbares hat. Immerhin erstehe ich dort einen Weihnachtskaktus und eine Christrose. Hätte ich mich bloß gestern noch zum Blumenladen geschleppt!

Bei der Busfahrt durch den Vorort staune ich: alles weiß! Es liegt zwar nicht viel Schnee, aber alle Bäume und Rasenflächen sind bedeckt, und die Sonne kommt gerade heraus und taut die Pracht nicht sofort auf. Weiße Weihnacht! Mit Sonne!! Wunderschön…

Wir sind dann pünktlich gegen halb eins da, dann gibt es gleich Essen: Als Vorspeise Ragout Fin, als Hauptgang Rinderbraten mit Kroketten und grünen Bohnen im Speckmantel, dazu eine dicke dunkle Bratensoße mit Rotwein und Feldsalat, zum Nachtisch ein Schokoladenküchlein mit Himbeersoße.
Papp.

Der Nachmittag geht irgendwie rum mit Computerkram (die Zeit nutze ich für eine kurze Atempause auf der Terrasse und für den Abwasch), quatschen, Kaffee trinken, Fotos aus Amerika anschauen und übers Häuschen reden.

Zum Abendbrot gibt es Buletten mit Kartoffelgratin. Irgendwie passt das alles rein, ich staune sehr. Vielleicht weil wir nachmittags keinen Kuchen gegessen haben.

Wir sitzen bis kurz vor halb elf, dann brechen wir auf in eine sternklare, kalte Nacht und sind in Rekordzeit (45 min) zu Hause.

≈≈≈≈

Samstag, 27.12.2014

Den Vorsatz habe ich seit einer Woche: Heute machst Du nichts! Gut, klar, einen Mini-Wochenendeinkauf, aber sonst nur lesen, surfen, schlafen, essen, fernsehen. Oder wonach mir halt gerade ist.

Nun hatte es sich so ergeben, dass ein Geschenk von P. an uns erst heute mit der Post kommen sollte, und das muss ziemlich schnell abgeholt werden. Es kommt aber erst nachmittags um halb drei, also machen wir aus, dass ich Sonntag komme.

Vormittags hatte P. wegen unserer Küchenuhr angerufen, die wir zum Reparieren dort gelassen hatten. Er bestellt uns nun ein neues Uhrwerk, das kann aber dauern. Das wäre doch für einen Uhrmacher, falls es einen solchen in K. noch gegeben hätte, leicht verdientes Geld gewesen. Schmeißen heute denn wirklich alle alles weg, wenn es nicht mehr rund läuft? Oder schmeißen die Leute die Sachen notgedrungen weg, weil niemand sie mehr repariert? Idiotisch.

H. hat schlechte Laune und ich lasse ihn in Ruhe. Ich habe selber keine Kraft, verständnisvoll nachzufragen oder ihn aufzuheitern. So bruddeln wir beide vor uns hin und sind damit auch ganz zufrieden. Er versucht, in einem Hobby-CAD-Programm eine 3D-Grafik des Dachbodens zu erstellen und ich mache genau, was ich mir vorgenommen hatte: lesen, neue eBooks bestellen, surfen, spielen, ein Nachmittagsnickerchen.

Gegen 18:00 Uhr mache ich noch einen längeren Spaziergang in der Kälte, das tut gut. Die frische Luft, das Alleinsein. Ein Fazit über Weihnachten ziehen: Zu viel Stress, zu wenig Weihnachtsstimmung. Ursachenanalyse. Überlegen, warum es trotz guter Planung und jahrelanger Erfahrung so stressig war. Zu dem Punkt kommen, dass es nur wegen guter Planung und jahrelanger Erfahrung überhaupt funktioniert hat. Beschließen, was im nächsten Jahr anders laufen muss, damit es trotz eventueller Katastrophen und Notfälle nicht nur funktioniert, sondern auch schön wird.

Dann noch ein kurzes Aneinanderrasseln mit H., weil er manchmal Äußerungen von mir als Vorwurf versteht, weil sie – obwohl komplett anders gemeint – seine eigenen Anforderungen an sich selbst ausdrücken, denen er im Moment aus Kraftmangel nicht nachkommen kann: Es ist 20:00 Uhr. Ich will nicht um 22:00 Uhr essen, weil ich dann kurz vor dem Einschlafen bin. Überhaupt habe ich keinen großen Hunger, deswegen würde mir auch ein belegtes Brot reichen, das ich mir schnell machen kann. Er will eigentlich etwas kochen, hat aber andererseits keine Lust dazu. Allzu spät essen will er eigentlich auch nicht, jetzt im Moment würde er aber gerne noch etwas am Computer fertig machen. Das dauert erwartungsgemäß mindestens eine Stunde, dann soll noch gekocht werden, dann wäre es doch 22:00 Uhr, bis wir essen können. Diesen Konflikt zwischen seinen eigenen widerstreitenden Interessen bekommt er nicht bewusst gemacht, geschweige denn aufgelöst.
Also bin ich der Arsch als ich sage „Ich mag nicht erst um zehn essen, ich mache mir jetzt einfach ein Brot, das reicht mir heute Abend sowieso.“ Ich meine: „Mach Dir keinen Stress, lass das mit dem Kochen doch, mach Dein Ding fertig, ich mache mir irgendwas, habe eh keinen großen Hunger.“ Er aber hört: „Du kriegst das mit dem Essen ja sowieso nicht hin; wenn ich hier nicht sofort was Anständiges auf dem Tisch habe, dann muss ich mir eben ein Brot machen. Wirst Du schon sehen, was Du davon hast.“
Communication breakdown.

Im Fernsehen „Casino Royal“, der für mich einer der besten Bond-Filme überhaupt ist. Da meine Hilfe in der Küche abgelehnt wird, schaue ich eben den Film. Essen gibt es dann erwartungsgemäß kurz vor zehn (obwohl er nicht mal seine Computersache gemacht hat…).
Immerhin gibt es später noch eine Entschuldigung kurz vorm Einschlafen.

 

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Morgens ruft H. an: Er hat ein Ticket für Sonntag gekauft und kommt abends um kurz vor neun an. Ich freue mich, auch weil ich dadurch noch das ganze Wochenende für mich habe (also zum Arbeiten…).

≈≈≈≈

Eigentlich bin ich recht motiviert in den Tag gegangen, aber irgendwie ist alles furchtbar spät geworden, ich habe erst um 11:00 gefrühstückt, dann noch ein paar Sachen nachgeschaut, dann ist es plötzlich Nachmittag, ich muss bald los und habe überhaupt keine Lust mehr, etwas zu arbeiten. dazu latente Kopfschmerzen und bleierne Müdigkeit.

Aaaarrrggghhh!!!

≈≈≈≈

Vormittags ein Notruf von D.: er ist auf dem Weg nach B., hat aber seinen Schlüssel nicht. Was nun? Ich habe ja auch keinen mehr. Falls J. nicht da ist, könnte er natürlich in H.s Wohnung schlafen…

Chaot. 😉

≈≈≈≈

Ich beschließe irgendwann, dass heute eben kein Arbeitstag ist und gebe nach: essen, lesen, surfen, Fotos sortieren, ins Bett und wieder lesen, darüber eindösen, aber nicht schlafen, weiterlesen, nicht an Telefon gehen als P. anruft, kurz vor 17:00 aufstehen.

≈≈≈≈

Anziehen, einpacken, obwohl es nicht besonders kalt ist, aber die ganze Zeit draußen zu sein auf dem Weihnachtsmarkt, wo man auch viel steht oder langsam geht – sicher ist sicher. Ausziehen geht immer noch.

Zur Bank, checken, ob alles erledigt ist. Ist es nicht. Nicht aufregen, hilft nichts, morgen nochmal probieren, ansonsten Montag Rabatz machen.

Noch schnell zu Karstadt rein. Die Platzdeckchen, die ich mir farblich für Weihnachten denke, kosten 3,99 EUR das Stück. Bin ich bereit, 12,00 oder 16,00 EUR auszugeben für den Weihnachtstisch? Gut, ich kann sie später auch nutzen; andererseits sind Platzdeckchen nicht das, was im Haushalt unbedingt fehlt. Der Kauf widerspricht meinem Streben, keinen weiteren Kram in mein Leben zu holen.

≈≈≈≈

Wann sind die Kurzstreckenfahrscheine teurer geworden? Werfe mein mühsam rausgekramtes Kleingeld zurück ins Portemonnaie und krame anderes hervor.

Die Bahn ist proppenvoll. Eine Frau quetscht sich mit faltbarem Mini-Buggy und darin befindlichem Kind noch hinein und steht dann quer vor der Tür. Es entspinnt sich ein kleiner Austausch zwischen ihr und der vielleicht 2-jährigen Tochter im Buggy.

An der nächsten Station fragt die Frau laut in die Runde, ob vielleicht irgendjemand assteigen möchte…? Die Reaktion ist eine Mischung aus Gelächter, genervtem Aufstöhnen, zwischen den Zähnen herausgepressten Flüchen und einem kollektiven „Jaaa!“ wie beim Kasperletheater. Sie steigt dann pflichtschuldigst aus, um die Tür freizugeben und anschließend wieder einzusteigen.

Immerhin mal jemand, der mit seiner Umwelt kommuniziert! Man freut sich ja schon über Kleinigkeiten…!

≈≈≈≈

Am Weihnachtsmarkt angekommen schaue ich auf die Uhr: halb sechs. W. treffe ich „ab 19:00 Uhr“, ich habe also massig Zeit, in Ruhe eine Runde zu drehen, zu schauen, Fotos zu machen.

Schon nach kurzer Zeit überfällt mich eine schöne, dicke Depression: Die Erinnerung an all die Jahre, die ich auf diesem Weihnachtsmarkt war, mit den verschiedensten Leuten. Wie ich vor 35 Jahren als Kind hier selbst drei Jahre an einem Stand „Dienst tat“. Vor 35 Jahren! 35 Jahre!!! Mir wird kurz schlecht. Ich möchte heulen. Die Depression habe ich natürlich nicht wegen der 35 Jahre, sondern sie ist zum einen hormonell bedingt (prämenstruell…), zum anderen entstammt sie meiner unendlichen Erschöpfung, körperlich wie emotional.

Können Selbständige eigentlich auch in Kur gehen? Um Burnout zu verhindern, oder so? Dazu müsste ich vermutlich erstmal den Kampf mit Ärzten, der Krankenkasse und wem sonst noch aufnehmen, und dazu habe ich ironischerweise keine Kraft. Also irgendwie durchhalten und weitermachen. Kleine Fluchten suchen, kleine Auszeiten. Wie so ein Weihnachtsmarkt.

Die Selbstmotivation funktioniert immerhin so lange bis ich W. treffe, und das reicht ja auch.

D. ruft noch an, er ist inzwischen doch in seine Wohnung gekommen und will zu uns stoßen, aber ich wimmle ihn ab. „Notlügen…“ meine ich zu W. und hoffe nur, er denkt nicht, dass ich die auch ihm gegenüber einsetze. Aber er ist kein idiot, und ich denke, er weiß das Konzept zu schätzen, ab und zu lieber eine Notlüge zu erzählen als den anderen zu verletzen. Ehrlichkeit ist gut und schön, kostet aber eben auch manchmal viel Zeit und Energie, die man nicht immer hat oder aufbringen möchte. Anlügen ist keine Dauerlösung, aber zwischendrin meines Erachtens durchaus erlaubt und angemessen.

Wir gehen unsere übliche Runde: Erst Erbsensuppe, dann am Platz die Innenrunde, relativ schnell einen Glühwein (dieses Jahr Winzerglühwein aus Dornfelder), dann zur Schmiede. Dort treffen wir einen Freund von W., den er aus der Mittelalter-Szene kennt. Der Freund ist ein Baum von einem Kerl und kommt mir vage bekannt vor.

Wir trödeln weiter, schauen hier und stöbern dort, kaufen ein paar Kleinigkeiten, trinken einen leckeren Likör-Apfel-Punsch, treffen W.s Freund am anderen Ende des Marktes, quatschen über Gott und die Welt und enden schließlich kurz nach 21:00 Uhr als der Markt langsam einpackt am Ausschank eines Likör- und Schnapshändlers, wo wir noch einen Absacker nehmen und W.s Freund ein drittes Mal treffen. So ist das, am Ende landen immer alle in der Kneipe; man muss nur wissen, welches der angesagte „originale“ Laden ist (Tipp: Es ist nie der, wo junge Leute oder Hipster hingehen…).

Wir beenden noch unsere Außenrunde, dann verabschieden wir uns. W. will mit seinem Freund noch weiterziehen, ich muss pflichtschuldigst nach Hause, denn morgen ist ein Arbeitstag. Außerdem habe ich für heute genug Geld ausgegeben:
3,00 EUR Fahrgeld, 3,50 Flasche selbstgemachten Quittensaft (jeden Cent wert), 2,50 EUR Erbsensuppe, 9,95 EUR für sechs Blutwürste (dito), 2,50 EUR für den Winzerglühwein, 2,00 EUR für den Apfelpunsch, 6,00EUR für einen Teelichthalter aus Birke für P., 2,00 EUR für ein Duftsäckchen,  2,50 EUR für einen doppelten Persiko. Macht summa sumarum 34 Euros. Da bleibt mir nicht mehr viel für den Einkauf morgen. Und am Sonntag muss ich auch noch Fahrkarten kaufen, um H. abzuholen.

≈≈≈≈

Der Heimweg ist unproblematisch; um 22:00 Uhr bin ich zu Hause. Noch ein bisschen fernsehen und dann vom eigenen Schnarchen lange genug aufwachen, um Licht und Fernseher auszumachen.

Sprechstunde

28. März 2010

Ich habe ein großes Problem damit, wenn Kunden mich anrufen.

Ich bin am Arbeiten, das Telefon klingelt, ich sehe die Nummer und denke sofort: „Oh nein! Was will der/ die denn jetzt (schon wieder)?!“

Meistens gehe ich nicht ran. Ich könnte ja auch unterwegs sein. Gar nicht im Büro. Wozu hat man einen Anrufbeantworter?

Telefonterror

Doch damit geht der Stress erst los. Denn meistens hinterlassen die Anrufer tatsächlich eine Nachricht. Nicht, worum es geht, aber etwas in der Art wie „Rufen Sie mich unbedingt schnell zurück!“

Ich höre nicht mit, wenn eine Nachricht hinterlassen wird. Also sehe ich nur, dass der Anrufbeantworter blinkt. Und blinkt. Und blinkt.

Und dann setzt das Schuldgefühl ein: Du solltest die Nachricht wenigstens abhören. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, wäre ja nicht das erstemal. Eigentlich ist es doch nie was wirklich Schlimmes. Du musst ja noch nicht mal gleich zurückrufen, nur mal hören, worum es geht. Warum stellst Du Dich eigentlich so an mit diesem blöden Telefon? Lässt Dich von einem kleinen Apparat tyrannisieren! So willst Du eine Firma führen? Eine schöne Firma ist das, die mit ihren Kunden nicht sprechen will! Die zahlen schließlich Deine Rechnungen, vergiß das nicht!

Und es wird von Stunde zu Stunde schlimmer. Je vorwurfsvoller die Stimme in meinem Kopf wird, desto größer wird die Angst, die verdammte Nachricht abzuhören und zurückzurufen.

Ich halte das Tage durch. Lösche auch schon mal alle Nachrichten ungehört, wenn ich das blöde Blinken nicht mehr sehen kann. Tabula rasa, sage ich dann, ab morgen gehe ich ran oder höre zumindest den Anrufbeantworter ab.

Manchmal klappt das. Für eine Zeit. Meistens nicht.

Perspektivwechsel

Also versuche ich etwas Neues. Wäre es nicht großartig, wenn es mir gelingen könnte, diese ganze Anruferei statt mit Angst nach und nach mit positiven Gefühlen zu besetzen? Darin etwas Gutes zu sehen? Irgendwann vielleicht sogar dazuzu kommen, mich zu – gasp! – freuen, wenn jemand anruft?

Das wäre ziemlich cool!

Also probiere ich, eine positiver Metapher für diesen ganzen Vorgang zu finden, der mich momentan total lähmt.

Das Problem

Ich habe Angst, wenn ich von einem Kunden angerufen werde und ich vorher nicht weiß, worum es geht (wenn zum Beispiel ein Anruf zu einem bestimmten Thema verabredet war, habe ich weniger Angst). Ich befürchte, mit Fragen konfrontiert zu werden, auf die ich keine Antwort habe (aber eine haben müsste), dass ich anfange zu stammeln oder dummes Zeug zu reden oder gar etwas zuzusagen, ohne zu wissen, ob das so ohne weiteres überhaupt umzusetzen ist. Ich habe Angst, dabei „ertappt“ zu werden, dass ich etwas nicht weiß oder nicht kann, was ich können oder wissen sollte (in deren oder in meinen Augen). Ich habe Angst, dass ich die Frage oder die Aufgabe nicht verstehe, oder dass ich etwas ablehnen muss, erklären muss, dass und warum etwas nicht geht.

Ich erwarte bei einem Anruf, mit irgendwelchen negativen Gefühlen und Bewertungen konfrontiert zu werden: Ich bin nicht kompetent genug, ich rede dummes Zeug, ich habe kein Rückgrat, ich will nicht helfen, ich bin zu faul, ich bin unfreundlich, nicht kooperativ, unprofessionell. Ich habe Angst vor Abwertung, Ablehnung, Zurückweisung.

Eigenschaften

Welche Eigenschaften hat die Sache, mit der ich nicht klarkomme? Welche negativen und positiven (!) Aspekte, Qualitäten und Gefühle sind damit verbunden?

  • Angst
  • unbekannt
  • Anforderung
  • unberechenbar
  • „Was ist jetzt wieder?!“
  • Überforderung
  • MUSS (zuhören, zurückrufen)
  • reagieren statt agieren
  • muss jederzeit präsent sein, Antworten haben
  • Erwartungen
  • Prüfungssituation
  • Überbringer schlechter Nachrichten
  • Eindringen in meine Privatsphäre
  • etwas/mich verkaufen müssen
  • Bewertung
  • Druck
  • Klärung offener Fragen
  • Erweiterungs-/ Folgeauftrag
  • sich (besser) kennenlernen
  • Vertrauen aufbauen
  • Auftragsumfang klären
  • überflüssige Arbeit vermeiden
  • „Welch neue Hölle mag das sein?!“

Das erinnert mich an…

Einen Überfall. Jemand dringt in mein Haus ein, überrascht mich, ich muss darauf reagieren.

Gefangenschaft. Ich bin ausgeliefert. Jederzeit kann jemand in meine Zelle kommen und irgendwas von mir wollen. Und wenn ich nicht schnell genug oder gut genug bin, drohen Konsequenzen.

Prüfung. egal wie gut ich vorbereitet bin, einer der Prüfer kann jederzeit eine unvorhergesehene Frage stellen. Wenn ich die nicht richtig beantworte, falle ich durch.

Einbruch, Überfall, Prüfung, Bedrohung.

(Kein Wunder, dass ich nicht ans Telefon gehen will!)

Welche Eigenschaften wünsche ich mir?

  • Vorfreude
  • Klärung
  • Möglichkeit, Chance
  • kennenlernen
  • Neues
  • Anregung, Impuls
  • Freundschaft, Vertrauen, Nähe
  • Sicherheit
  • Lob, Anerkennung
  • ich kann helfen
  • „Gut, dass Du kommst!“

Das erinnert mich an…

Eine Überraschungsparty. Ein überraschender Besuch.

Die Intention der Überraschung dreht sich: Nicht Überfall mit Todesdrohung sondern Plaudern bei Kaffee und Kuchen. Der andere kommt mit guten Absichten, nicht mit bösen.

Aber: Die Anrufer kommen ja nicht zum Plaudern, sie wollen etwas von mir. Was? Hilfe, Unterstützung, Klärung, Wissen, Rat.

Die Anrufer sind Ratsuchende. Sie kommen zu mir, weil sie Hilfe suchen, weil sie mich brauchen, nicht, weil sie mir etwas antun wollen.

Im Grunde ist es wie in einer Sprechstunde beim Arzt. Die meisten Patienten kennt er, im Grunde weiß er meistens auch, worum es geht, nur das konkrete, aktuelle Anliegen kennt er nicht, wenn der Patient sein Sprechzimmer betritt.

Haben wir eine Metapher?

Ja, die Sprechstunde beim Arzt. Vielleicht ein Kinderarzt oder ein Tierarzt. Leute kommen zu mir, weil ihr Baby oder ihr Tier krank ist und sie sich nicht zu helfen wissen. Sie erwarten nicht, dass das Kind/Tier die Praxis gesund verlässt, aber dass sich jemand um die Angelegenheit kümmert, die Beschwerden ernst nimmt und versucht, etwas dagegen zu tun.

Nächste Schritte

  1. Ich lege Sprechzeiten fest, innerhalb derer Anrufe angenommen oder Rückrufe getätigt werden.
  2. Ich mache mir ein Schild:
    Dr. Ottla
    Fachärztin für…
    Sprechstunde: Mo-Fr 10:00-13:00 und 15:00-17:00
  3. Innerhalb dieser Zeit nehme ich Anrufe an.
  4. Ich habe Papier für Notizen und einen Stift griffbereit neben dem Telefon liegen.
  5. Ich höre mir an, was der Anrufer für ein Anliegen hat, mache Notizen und verspreche, mich darum zu kümmern (Möglichkeiten der Realisierung ausloten, nötige Informationen in Erfahrung bringen, Aufwand kalkulieren ) und zurückzurufen.
  6. Der Anruf und die damit verbundenen nächsten Schritte werden im System erfasst.
  7. Ich kehre zurück zu der Aufgabe, mit der ich beschäftigt war, als das Telefon klingelte

Doctor's Office, Waiting Room by The Consumerist via Flickr
Doctor’s Office, Waiting Room by The Consumerist via Flickr

Systemwiederherstellung

19. August 2009

Ich bin im doppelten Wortsinn nicht arbeitsfähig.

Eine kleine OP am Montag zwingt mich zu häufigen Ruhepausen, und mein Schreibtisch ist ein Müllhaufen.

Nun, nicht direkt Müll, aber Arbeitsunterlagen, Quittungen, Projektmaterialien, Telefonnotizen, Arbeitszeitbögen und jede Menge anderes Papier aus den letzten 12 Monaten (!) stapelt sich in der Inbox und auf dem Schreibtisch und wuchert in das benachbaret Regal hinüber.

Chaos auf dem Schreibtisch

So macht Arbeit nicht nur keinen Spaß sondern kann auch wirklich nicht effektiv funktionieren. Deshalb wird es Zeit, DAS SYSTEM wiederherzustellen.

DAS SYSTEM besteht aus aus einem „analogen“ und einem „digitalem“ Teil. Digital laufen z.B. Projektplanung, To-Do-Listen, Buchhaltung, Terminplanung usw. Zum analogen Teil gehören:

  1. Farbige Mappen und Ordner für laufende Projekte – je eine Mappe für ein Projekt bzw. einen Kunden
  2. Eine Mappe mit Unterlagen zur Arbeitsorganisation – Bogen zur täglichen Projektplanung, Arbeitszeiterfassung etc.
  3. Eine Inbox, in die im Laufe des Tages neue Papiere wandern, die weiter bearbeitet werden müssen – z.B. Telefonnotizen, die in das CRM-System übertragen werden müssen, Posteingang, Finanzbelege u.ä.
  4. Mehrere Aktenordner, in denen Unterlagen zu abgeschlossenen Projekten archiviert sind.

Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht es so aus, dass ich Projektunterlagen aus den letzten Monaten nicht abgelegt sondern in der Inbox gesammelt habe, dass Gesprächsnotizen unauffindbar sind und ich des öfteren am Telefon improvisieren muss, und dass ich immer häufiger in Papierstapeln nach der einen CD oder dem Blatt mit Spezifikationen wühlen muss.

Schritt 1: Platz schaffen

Jedem Ding seinen Ort, das gilt natürlich besonders da, wo effektives Arbeiten gefragt ist.

Darum wird als erstes das Aktenregal so umgeräumt, dass

  • drei Stehsammler für Projektmappen in Griffhöhe nebeneinander stehen können
  • alle Aktenordner mit archivierten Projektunterlagen nebeneinander Platz finden
  • alle Bücher zusammenstehen und nicht über mehrere Fächer verteilt
  • wichtige Unterlagen in Griffhöhe stehen

Dieser Teil ist innerhalb von 15 Minuten erledigt; bei der Gelegenheit wandern auch gleich ein paar alte Bücher auf den e-Bay-Stapel.

Bei der Durchsicht fällt auf, dass zwei Ordner ausgemistet und fünf Ordner reorganisiert werden müssen. Da es sich hier um Sachen handelt, an die ich nicht oft ran muss, hat das Zeit und kommt als „Someday“-Task auf die To-Do-Liste.

Schritt 2: Material bereitstellen

Zwei leere Stehsammler sind beschafft, ebenso leere Mappen und Ordner. Es kann losgehen!

Schritt 3: Vorhandenes sichten

Ich betrachte die rudimentären Reste DES SYSTEMS: einen Stehsammler mit diversen Mappen zu aktuellen und längst vergessenen Projekten. Mappe für Mappe wird nun herausgenommen, mit dem Kunden- bzw. Projektnamen beschriftet (mit Bleistift, damit ich die Mappe mehrfach verwenden kann) und sortiert: Abgeschlossene Projekte kommen auf einen Haufen und wandern später in einen Archiv-Ordner. Die anderen Mappen kommen auf einen von drei Stapeln: Laufende Projekte, an denen ich momentan arbeite (LAUFEND), Kunden, die zwar ihr Interesse und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekundet haben, sich aber aus internen Gründen noch nicht zum konkreten Auftrag durchringen konnten (PENDING), und meine eigenen Projekte und Projektideen (EIGENE).

Damit sind die drei Stehsammler „eingeweiht“.

Während der Arbeit tauchen folgende Erkenntnisse auf:

  1. Ich muss ein CD-Archiv für Kunden anlegen. CDs fliegen entweder lose in der gegen herum oder machen die Projektmappen unnötig dick (zu manchen Projekten gehören bspw. mehrere CDs mit Fotos).
    Kommt auf die To-Do-Liste.
  2. Ich schaffe es heute nicht, alle Unterlagen zu sichten und zu ordnen. Daher wandern alle Papiere erstmal nur in die ihnen zugedachte Mappe.
    Das Sortieren kommt auf die To-Do-Liste.
  3. Es gibt viele Telefon- und Gesprächsnotizen, die nicht im CRM-System erfasst sind. Das ist aber notwendig, um später den Projektverlauf nachvollziehen zu können und wichtige Verabredungen zu dokumentieren.
    Kommt ebenfalls auf die To-Do-Liste.

Dieser Part dauert 20 Minuten.

Schritt 4: Die Inbox leeren

Zuerst mal wird sie richtig gefüllt: Alle Papiere, CDs, Broschüren, Notizhefte, Visitenkarten etc., die auf dem Schreibtisch herumfliegen, kommen in die Inbox. Damit ist der Schreibtisch leer.

Alles in die Inbox

Der gesamte Inhalt der Inbox wird jetzt in Stapel sortiert:

  • laufende Projekte
  • abgeschlossene Projekte
  • Finanzbelege (Quittungen, Rechnungen, Kontoauszüge…)
  • Unterlagen zur Arbeitsorganisation (Zeiterfassungsbögen, Mind-Maps zu eigenen Marketing-Strategien usw.)
  • sonstige Ablage
  • Dinge, mit denen etwas getan werden muss (Informationen recherchieren, Unterlagen verschicken, Daten erfassen usw.)

Das ist erwartungsgemäß der größte Brocken und dauert eine knappe Stunde.

Der vorsortierte Inhalt der Inbox

Danach sitze ich da mit einem Dutzend Papierstapeln – und gönne mir erstmal eine Pause, bevor es weitergeht mit

Schritt 5: Ablage

Ich will schnelle Erfolgserlebnisse, deswegen fange ich mit den einfachen Stapeln an: Zuerst die Projekte, zu denen es bereits Mappen gibt. Wie gesagt, in diesem Schritt ordne ich nicht und hefte nicht ab, ich packe nur jedes Ding an seinen Ort, wo ich es wiederfinde. Wenn ich das nächste Mal an dem Projekt arbeite und die Mappe zur Hand nehme, gönne ich mir die paar Minuten und hefte den Kram schnell in der richtigen Reihenfolge ab.

Dann kommen die laufenden Projekte, für die es noch keine Mappen gibt: neue Mappen her, beschriften, Papiere rein und ab in den entsprechenden Stehsammler.

Papiere zur Arbeitsorganisation kommen vorübergehend in eine eigene Mappe und in den Sammler mit den eigenen Projekten – und ein Vermerk in die To-Do-Liste, diese Unterlagen zu sichten und abzuheften.

Stehsammler für Projektunterlagen

Für Finanzbelege gibt es im Büro eine eigene Inbox – die verirrten Papiere wandern dorthin.

Unterlagen von abgeschlossenen Projekten kommen in die entsprechenden Archiv-Ordne. Auch hier erspare ich mir eine Durchsicht, stattdessen kommt eine entsprechende Notiz in die To-Do-Liste.

Nach einer Viertelstunde ist nur noch der „schwierige“ Stapel übrig: Dinge, mit denen noch irgendetwas getan werden muss.

Schritt 6: To-Dos organisieren

Das ist das schwierigste Material beim Aufräumen: einen Platz zu finden für die Dinge, mit denen noch irgendetwas getan werden muss. Eine Visitenkarte, die ins Adressbuch übernommen werden muss. Eine Internetadresse, die als Bookmark gespeichert werden soll. Ein Artikel, den ich einscannen möchte.

Ich frage mich bei jedem Ding in dem Stapel: Was muss ich konkret mit Dir machen? Und sortiere es dann in eine von sechs Plastikhüllen:

  1. Daten erfassen
  2. Scannen
  3. Internet
  4. Kopieren
  5. Erledigen
  6. Platz finden

Dementsprechend kommen sechs Tasks auf die To-Do-Liste: Daten erfassen, Scannen usw.

Dieser letzte Stapel dauert noch einmal eine Viertelstunde, dann ist auch er in kleine Häppchen zerlegt und seine Abarbeitung im SYSTEM vorgemerkt. Die Hüllen wandern zurück in die Inbox, weil ich keinen besseren Platz habe.
Eine TO-DO-BOX wäre vielleicht gut.

Schritt 7: Schreibtisch putzen

Angesammelter Kleinkram, den ich nicht täglich brauche, wandert in eine Schachtel mit Büromaterial ins Regal – auf den Schreibtisch dürfen künftig nur noch ausgewählte Stücke.

Dann den Schreibtisch abgewischt, Inbox und Büromaterial wieder drauf und Voilà, ein ansprechender Arbeitsplatz!

Aufgeräumter Schreibtisch

Übrigens, die violette Mappe enthält meine Unterlagen zur Arbeitsorganisation, die ich jeden Tag verwende, deswegen darf sie als einzige immer auf dem Schreibtisch liegen…

Loslassen können

24. Juli 2009

„Alles, was wir besitzen, ist auf dem Weg in den Abfall. Die Dinge befinden sich in verschiedenen Stadien auf dem Weg dorthin, aber letztendlich ist das Ziel dasselbe.“

Ich weiß nicht, wo ich diesen Gedanken aufgeschnappt habe, aber er hat etwas seltsam Tröstliches: Es hat alles ein Ziel und damit einen Sinn.

Viele Gegenstände gewinnen neben dem materiellen Zweck, den sie erfüllen sollen, zusätzlich Wert als Erinnerungsstücke. Erinnerungen an Menschen, Situationen, Ideen, unser früheres Ich.

Aber was, wenn ich fort bin? Wenn die Dinge für einen anderen keinen Zweck mehr erfüllen? Dann gehen sie ihren vorbestimmten Weg.

Brauche ich die (ansonsten nutzlosen) Dinge so sehr, um meine Erinnerungen nicht zu verlieren? Das alte Geschirr von den Großeltern, das nur viermal im Jahr aus dem Schrank geholt wurde und trotzdem nach 50 Jahren Gebrauch schäbig geworden ist (und mir auch nicht besonders gefällt)? Oder meine alten Spielsachen, für die in meinem Haushalt kein Kind mehr heranwachsen wird, das vielleicht einmal damit spielt?

Und wie steht es mit den alten Ideen, den Plänen, den Vorhaben?

Kann ich ein paar Dinge in meinem Leben loslassen, damit sie ihren Weg gehen können?

Und, um vielleicht Platz für Neues zu schaffen?

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Foto: Irargerich