Um 6:20 Uhr von alleine aufgewacht.

Draußen am Platz sammelt sich eine orange gekleidete Guerilla-Truppe. Punkt 7:00 Uhr schlagen sie los: Fünf Mann schwärmen auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus, die übrigen bleiben im Schatten der Bäume stehen und warten ab. Alle sind bewaffnet. Einer mit einem großen Ding, das aussieht wie ein Raketenwerfer, die anderen mit langen dünnen Dingern. Um 7:05 wirft der Typ seinen Raketenwerfer an und beginnt, das Herbstlaub unter den parkenden Autos hervorzublasen, während die anderen ihre Besen präsentieren. Mit lautem Heulen biegt langsam ein Kehrwagen um die Ecke. Die nächste Stunde (mindestens) wird man hier kein Fenster öffnen können, so laut tönt der Kampflärm herauf. Der Kampf gegen die allherbstlichen Laubmassen, die sich nicht in eine glitschige Schleimschicht auf der Straße verwandeln sollen, was beim nächsten Regen unweigerlich passiert.
Ich frage mich: Wenn man immer noch so viele Männer mit Besen braucht, warum stellt man dann nicht noch drei mehr hin und lässt den infernalisch lauten Laubbläser in der Garage? Beziehungsweise spart sich den auf für Parkplätze, Industriegebiete, Hauptverkehrsstraßen usw.? Zum Glück bin ich kein Spätschichtler, der morgens lange schlafen will/ muss..

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Was es für einen Unterschied macht, wenn man nicht ständig die Guillotine über sich schweben spürt… Ich bin zwar mit dem magazin nicht wesentlich weiter, schaue aber wieder etwas entspannter drauf, weil der Kunde offenkundig nicht allzu viel Stress macht.

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Mittags zur Bank, dann einkaufen: Reiseproviant (Cola, Kekse, Nüsse. Wasser…) und Pizza für heute abend. „Heute nur Junk Food“ scherze ich zur Kassiererin, und sie meint nur, „Na, muss ja auch manchmal sein!“ Da hätte sie viel zu tun, wenn sie sich noch über die Einkäufe jedes Kunden Gedanken machen würde…

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Fotos zu Flickr hochgeladen. Ich arbeite immer noch an den Urlaubsbildern vom August. Schön, endlich mal wieder ein wenig Luft für solche Sachen zu haben.

H. hat sich für kommende Woche eine schöne Wanderung durch eine Klamm ausgeguckt – da kommen dann wieder neue Fotos…

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Arbeitsmäßig het heute irgendwie gar nichts. Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, müde. Ich kann mich nicht konzentrieren. Mir ist kalt und ich fühle mich elend.

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Philae: Abgesehen von einem „Ask Me Anything“ (AMA) heute abend gibt es ein paar Neuigkeiten aus dem Rosetta-Blog:

  • Nach wie vor ist unklar, ob der Bohrer SD2 sich tatsächlich in die Kometenoberfläche gebohrt und eine Bodenprobe genommen hat.
  • Klar ist: Der Bohrer wurde vollständig ausgefahren und hat gebohrt, die Kammer, die Bodenproben zur Analyse aufnehmen soll, wurde geöffnet, die Probenahmeeinheit geleert, die Kammer geschlossen, der Inhalt erhitzt und an COSAC zur Analyse rotiert.
  • Normalerweise wird der Inhalt erhitzt und das so entstehende Gas analysiert. Anscheinend war zu wenig Gas in der Kammer enthalten, um eine vernünftige Analyse durchführen zu können.
  • Unklar ist nach wie vor, ob sich überhaupt etwas in der Kammer befunden hat, und wenn ja, was und wieviel.
  • Es ist möglich, dass der Untergrund zu hart war, so dass auch SD2 sich nicht hineinbohren konnte, sondern stattdessen Philae vom Boden weggedrückt hat. Möglicherweise ist auch bei der Landung Staub oder Gas in die Analyseeinheit gelangt. Oder die gewonnene Bodenprobe war einfach zu klein, so dass nicht genügend Material zur Analyse vorhanden war.
  • Bilder von ROLIS, die die Kometenoberfläche vor und nach der erfolgreichen Drehung von Philae zeigen, könnten zeigen, ob SD2 eine erfolgreiche Bohrung vorgenommen hat.
  • Immerhin hat COSAC beim Sinkflug bereits die „Atmosphäre“ des Kometen untersucht und dabei organische Moleküle nachgewiesen.  Auch Ptolemy hat erfolgreich Gase „eingefangen“. Die Daten werden momentan noch analysiert, um die Moleküle zu identifizieren

Quelle: Did Philae drill the comet? (Rosetta-Blog, 19.11.2014)

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So, und nun heißt es nur noch, letzte Anrufe machen, Daten synchronisieren und packen 🙂

„Ausgeschlafen“ (also ohne Wecker aufgewacht) bis um 6:00 Uhr.

Dann nach verkürzter Morgenroutine in einem Rutsch durchgearbeitet bis kurz nach elf. Die Magazin-Seite, was sonst?

Weil H. morgens zu Kunden musste, konnte ich das Frühstück ausfallen lassen und ohne Unterbrechung durcharbeiten. Nicht gesund, nicht erstrebenswert, aber manchmal eben der einzige Weg, etwas voranzubringen.

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Philae: Paolo Ferri hat gestern ein Interview auf hr-iNFO gegeben. Ich kann online noch keinen Mitschnitt finden (nur ein Interview vom 7.11.2014), aber er hat sich wohl u.a. zur Oberfläche geäußert: So soll die Oberfläche recht hart sein (wissen wir ja bereits von dem gescheiterten Hammer von MUPUS), vermutlich aus Eis bestehen und von einer mehrere Zentimeter dicken Staubschicht bedeckt sein (vermutlich das fluffige, poröse Material mit schlechter Wärmeleitfähigkeit, das MUPUS festgestellt hat).

Besonders die hochauflösenden Fotos, die Philae aufgenommen hat, sollen beeindruckend sein und „unglaubliche Strukturen“ zeigen.

Ein Versuch, die Mission erfolgreicher zu reden, angesichts des Gerüchts, das heute aufkam: dass es nämlich SD2 nicht gelungen sein soll, eine Bodenprobe an Bord zu bringen, obwohl der Bohrer erfolgreich ausgefahren worden sei?

Eine gute Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse bringt raumfahrer.net: Kometenlander Philae – Datenauswertung hat begonnen
Hier wird z.B. auch erwähnt, dass in der Atmosphäre des Kometen organische Verbindungen gefunden wurden.

Stephan Ulamec hat sich nochmal zum Landeplatz geäußert – es ist unwahrscheinlich, dass es in Kürze dort hell genug wird, dass Philaes Batterien genug aufgeladen werden. Andererseits würde sich dieser Platz im Frühjahr auch nicht so schnell und so stark aufwärmen wie der ursprünglich geplante Landeplatz, so dass Philae, wenn er „aufwacht“, länger einsatzbereit sein könnte als ursprünglich geplant.

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Mittags einen gepflegten Nervenzusammenbruch gehabt: Alles wächst mir über den Kopf, die Anforderungen sind riesig, die Zeit knapp, und alles, was schief gehen kann, geht auch schief (Hi, Murphy!). Heulen, Schreien, Zähneklappern.

Durch Meditation und ein anschließendes Assessment wieder halbwegs beruhigt. Stattdessen nun Kopfschmerzen. Aspirin hilft nicht.

Weitermachen!

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Um 16:00 Uhr gebe ich offiziell auf, es hat keinen Sinn weiterzumachen, ich kann mich nicht konzentrieren.

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Kurzer Kindle-Support bei M. Der Kleine will nicht mehr aus dem Standby-Modus aufwachen. Ein Reset hilft.

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Philae: Einer der MUPUS-Entwickler weist darauf hin, dass die ESA für die Geräteentwicklung strenge Vorgaben gemacht hat: So durfte das Gerät nicht mehr als 1,5 kg wiegen und nicht mehr als 2 Watt verbrauchen. Zudem hatte man mit einer lockeren Kometenoberfläche aus Eis gemischt mit Staub, Steinen oder Kies gerechnet, nicht mit einem harten Eisklotz. So ist verständlich, dass MUPUS nicht mit einem Hochleistungs-Bohrhammer ausgestattet war… (mehr hier, allerdings auf Polnisch: Zaskakujące pierwsze wyniki działania MUPUS-a [Crazy Nauka])

Die ESA veröffentlicht derweil weitere MUPUS-Ergebnisse:

  • Da einige MUPUS-Sensoren in den Landeharpunen integriert sind, konnten hier keine Daten erhoben werden, weil die Harpunen sich nicht am Kometenboden festgehakt haben.
  • Ein Infrarotsensor, der als „Therma Mapper“ (TM) bezeichnet wird hat die ganze Zeit während des Absinkens von Philae und während der drei Touchdowns die Temperatur gemessen.
  • Am endgültigen Landepunkt von Philae wurde an der Außenseite des Landers eine Temperatur von -153°C gemessen.
  • Nach dem Ausfahren des sogenannten „Penetrators“ (PEN), der etwa 1,5 m vom Lander ausgefahren und mit einem elektromagnetischen Hammermechanismus in die Kometenoberfläche getrieben werden sollte, maßen die Sensoren an der Spitze des Geräts über die nächsten ca. 30 Minuten einen Temperaturabfall um ca. 10°C.
  • Der Temperaturabfall kam entweder dadurch zustande, dass Wärme von der Sonde an die benachbarte kalte Wand abgegeben wurde, oder dass die Sonde in einen kalten Staubhaufen geschoben worden war.
  • PEN versuchte dann, in die Kometenoberfläche einzudringen; dies gelang aber selbst auf höchster Stufe nur einige Millimeter tief.
  • Der Vergleich mit Laborwerten legt nahe, dass die Oberfläche eine vergleichbare Härte hat wie massives (Wasser-)Eis.
  • Auf der Grundlage der Daten von TM und PEN vermuten die Wissenschaftler, dass die Oberfläche des Kometen aus einer mechanisch starken Schicht aus Eis oder einer Eis-Staub-Mischung besteht, die von einer 10-20 cm dicken Staubschicht bedeckt ist.
  • Wie andere Messungen von Bord der Rosetta-Sonde nahelegen, wird das Eis in tieferen Schichten poröser. Dafür spricht auch die allgemein geringe Dichte des Kometenkerns.
  • Sollte Philae nochmal „erwachen“, könnte MUPUS seine Arbeit fortsetzen und beispielsweise die Staubschicht untersuchen, in der die Sonde steckt und beobachten, wie sie sich bei der weiteren Annäherung an die Sonne verhält.

(Quelle: Philae settles in dust-covered ice (Rosetta Blog, 18.11.2014))

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Immerhin kommt kurz vor Feierabend noch eine Mail von einer anderen Kundin – eine (von mir) doch einigermaßen gefürchtete Anpassung an einer Seite muss nun doch nicht vorgenommen werden. Endlich mal eine gute Nachricht..!

Noch immer in der Philae-Blase. Gestern abend wurden die ersten Ergebnisse von MUPUS (Multi purpose Sensors for Surface and Subsurface Science) auf Twitter veröffentlicht:

„Results (1) First off: some reported MUPUS results as found in media are wrong. They never asked us.“

„Results (2) MUPUS TM worked fine throughout the whole timeline and sees a very cold steep wall in front of us“

„Results (3) TM sees clear diurnal temperature signal. Around local noon direct sunlight on that wall caused a steep temperature increase…“

„Results (4) … and also steep temperature drop shortly after. Data indicate low thermal diffusivity and fluffy substance“

„Results (5) The anchors still below Philae in shadow see the diurnal heat wave as well and at the same time as TM and the solar panels“

„Results (6) Penetrator was deployed to the commanded distance. Remember that device had not been switched on since 2002“

„Results (7) Temperature inside PEN dropped significantly compared to status before deployment.Might have hit a pile of stuff on the way out“

„Results (8) Another instrument saw better performance thereafter – we might have changed Philae’s attitude“

„Results (9) Hammering started as intended in the lowest of 3 power settings (expecting a fluffy soft surface)“

„Results (10) The depth sensor shows some up and down but no progress. The control loop increased to power setting 2“

„Results (11) depth sensor still shows no progress. Control loop goes to power setting 3. Still no progress!“

„Results (12) This means that the stuff is really hard! A very interesting finding, not visible from orbit!“

„Results (13) We have a secret power setting 4. Nicknamed „desperate mode“. Beyond the design specs. We activated it“

„About the ‚desperate mode‘ The truly genius designer of the hammer, Jerzy Grygorczuk, always said „be careful with power mode 4. And…“

„Results (14) Still no progress. The hammer gave up and failed after 7 minutes. Jerzy was right. We were desperate, activated, were punished“

„Results (15) Surface must be >2 MPa hard! The comet remains surprising bizarre and uncooperative“

„Results (16). To put this into perspective: MUPUS performed beautifully inside the specifications. The comet failed to cooperate“

„Results (17) The loss of subsurface data is sad. The detection of this very hard crust is a great find the orbiter couldn’t have done“

Natürlich strömen daraufhin die Fragen: Womit ist die Härte des Untergrundes vergleichbar? Besteht der Komet aus Fels? Ist die Härte der Grund, warum Philae sich nicht verankern konnte?

Hier einige Antworten:

  • „The anchor was designed to deal with harder stuff (~8-10MPa) than MUPUS, no sensible electronics boards in there too.“
  • „Water ice at this temperature can be very hard too. It might tell us something about the porosity of the material perhaps.“
  • „Terrestrial analogues: Sandstone has about 5-15MPa, Granite 5-20MPa Tensile strenght“
  • „Well, a lot of water and other stuff is sublimating all the time. So it is not simply a rock (asteroid)“
  • „The hammer was successfully tested in gas concrete (Ytong)“
  • „Findings would still leave room for ash like cover on top without preempting further investigation“
  • „When I said fluffy, I refered to the Ytong blocks used for testing. Also, there is no scientific fluffiness scale.“
  • Even if the hammer can not be used: „As soon @Philae2014 wakes up we can continue with monitoring the thermal environment around us. That would be really valuable“

Hinweis: Alle Zitate sind Tweets von MUPUS on Philae und wurden zwischen 15.11.2014 17:20 Uhr und 16.11.2014 2:20 Uhr veröffentlicht.

Erstes Fazit: Die Kometenoberfläche ist anscheinend zwar porös und besitzt eine geringe Wärmeleitfähigkeit, ist andererseits aber härter als z.B. Ytong-Steine und damit härter als angenommen. Eis kann bei den herrschenden Bedingungen derartige Eigenschaften haben, aber ob es sich um Eis oder Gestein handelt, kann nur anhand der MUPUS-Daten bisher nicht bestimmt werden. Außerdem weiß man dadurch noch nicht, ob sich die beobachteten Eigenschaften auf den gesamten Kometen beziehen oder nur auf die Stelle, wo der MUPUS-Sensor eingeführt werden sollte. Weiterhin weiß man nicht, ob es sich nur um eine härtere Kruste handelt, oder ob der gesamte Komet aus härterem Material besteht als gedacht. Die bisherigen Ergebnisse (geringe thermische Leitfähigkeit, hohe Porösität, geringe Dichte) sprechen wohl dafür, dass es sich nicht einfach um „Fels“ handelt.

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Immerhin konnte ich heute auch ein wenig arbeiten. Eine WordPress-Seite in der Desktop-Ansicht weitestgehend fertig (mobile Ansichten müssen noch etwas angepasst werden), und am Magazin habe ich auch weitergearbeitet. Wenn es doch schon fertig wäre!

Am Freitag fahren wir nach K. und bis dahin ist noch sooo viel zu tun..!

Draußen ist es dunkel und grau, dabei gar nicht so schrecklich kalt. Lust auf Aktivität macht das Wetter trotzdem nicht. Würde mich am liebsten mit Kakao/Kaffee/Tee, Keksen und einem Buch in meinem Sessel verkriechen…

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Auf den Bildern, die kurz nach Philaes erstem Touchdown gemacht wurden, wurde Philae jetzt entdeckt. Nun ist klar, in welche Richtung der Lander abgeprallt ist, und es sollte gelingen, die Flugbahn und den letzten Landeort relativ genau zu bestimmen.

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Zu blöd für das heutige Str8ts Extreme, ich krieg’s nicht raus.

Philae:

  • kurz vor Ende des nächtlichen Kommunikationsfensters ist Philae der Saft ausgegangen; wegen Energiemangels wurden alle wissenschaftlichen Systeme heruntergefahren, und der Roboter befindet sich im Stand-by-Modus; sollte irgendwann genug Sonnenlicht auf die Kollektoren fallen, um die Batterie genügend aufzuladen, kann Philae wieder aufwachen
  • Kontakt bestand von 23:19 Uhr MEZ bis 01:36 Uhr MEZ; bis zuletzt wurden Statusmeldungen des Systems übertragen
  • Philae wurde etwas gedreht, in der Hoffnung, so mehr Sonnenlicht auf die Kollektoren zu bekommen; Philae konnte um 4cm angehoben und um 35° gedreht werden; damit soll das Licht, das derzeit auf ein kleineres Panel fällt, vom größeren Panel aufgefangen werden
  • Rosetta wird auch zukünftig bei jedem möglichen Kommunikationsfenster auf Signale von Philae warten
  • ein nächstes Fenster wäre heute gegen 11:00 Uhr MEZ
  • hätte Philae genug Sonne bekommen, hätten vermutlich bis etwa März 2015 Experimente durchgeführt werden können; dann wird es vermutlich zu heiß auf dem Kometen
  • der Bohrer SD2 wurde vollständig aus- und wieder eingefahren; ob Proben entnommen und analysiert werden konnten, ist noch nicht bekannt
  • alle für Phase 1 geplanten Experimente konnten durchgeführt werden, und anscheinend konnten auch alle Messdaten heute Nacht noch übertragen werden, insofern war die Philae-Mission ein voller Erfolg!
  • Neuigkeiten zur Landung und zur Position: mit Hilfe der NAVCAM-Bilder von Rosetta konnte der Ort des ersten Touchdowns ziemlich genau bestimmt werden; jetzt muss analysiert werden, ob man daraus die Abprallrichtung erkennen kann, was die Berechnung der folgenden Flugbahn erleichtern würde

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Traurig, dass es (erstmal) vorbei ist. Philae hat mich die ganze Woche begleitet, ich habe mitgefiebert, gelesen, gelernt, erlebt, gefühlt, gelebt. Im Moment ist alles noch durchdrungen von der Erfahrung des Besonderen, leuchtet. Dieses Gemeinschaftsgefühl, die freudige Erwartung, Aufregung, Angst, das Mitbangen. Das Gefühl, Teil von etwas „Großem“ zu sein.
Nun kommt wieder die Alltagsroutine, der besondere Moment wird bald Geschichte sein. Was bleibt? Man wird sehen.

Für mich bleibt die Gewissheit, dass ich noch etwas spüren, mich freuen, ja begeistern kann. Etwas, was ich kaum noch für möglich gehalten hatte. Dafür: Danke!

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Mich auf die Arbeit zu konzentrieren, fällt mir weiterhin schwer. Immer behalte ich die ESA-Twitter Feeds im Auge: Vielleicht gibt es ja doch nochmal einen Kontakt (das Kommunikationsfenster ist offen)? Oder Neuigkeiten von der morgendlichen Wissenschaftskonferenz? Aber nichts tut sich.
Ich mag noch nicht wieder zurück zur Routine.

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Emotionale Katerstimmung. Back to reality. Slowly, slowly. Ich mag nicht, es war so schön…

Philae:
MUPUS hat den Sensor in die Oberfläche eingeführt, APXS hat seine Arbeit zur chemischen Analyse der Kometenoberfläche begonnen, und SD2 soll 56cm tief bohren. COSAC wird dann die entnommenen Proben analysieren. Bis gegen Ende des vormittäglichen Kommunikationsfensters wurde der Bohrer ca. 20cm weit ausgefahren.

Die Mission ist so ausgerichtet, dass alle wichtigen Experimente während der Laufzeit der primären Batterie ausgeführt werden. Diese beträgt etwa 60 Stunden. Je nachdem, wieviel Energie die Experimente verbrauchen, reicht die geschätzte Lebensdauer bis Freitag oder Samstag Nachmittag. Die sekundäre Batterie kann über Solarpanels aufgeladen werden. Die ca. 1,5 Stunden Ladezeit pro Kometentag (im Vergleich zu den ca. 7 Stunden an der ursprünglich geplanten Landungsstelle) erlauben aber nur eingeschränkt Experimente. So gesehen kann die Hauptmission bereits jetzt als erfolgreich angesehen werden. Inwieweit daraus eine erweiterte Mission wird, bleibt abzuwarten. Es ist möglich, dass Philae in eine Art Winterschlaf verfällt und in einigen Monaten, wenn möglicherweise mehr Sonne auf die Solarpanels fällt, wieder aufgeweckt werden kann.

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Verantwortliche und ihre Funktionen (damit ich den Überblick behalte):

  • Paolo Ferri (I), Physiker, ESA/ESOC, Darmstadt (Germany) – Head of Mission Operations Department
  • Andrea Accomazzo (I), Ing. für Luft- und Raumfahrttechnik, ESA/ESOC, Darmstadt (Germany) – Spacecraft Operations Manager, Rosetta Flight Director
  • Stephan Ulamec (A), Geophysiker, DLR, Cologne (Germany) – Philae Lander Manager
  • Koen Geurts (NL), Ing. für Luft- und Raumfahrttechnik, DLR, Cologne (Germany) – Lander Technical Manager
  • Jean-Pierre Bibring (F), Astrophysiker, Institut d’Astrophysique Spatiale (IAS), Orsay (France) – Lead Lander Scientist
  • Mark McCaughrean (GB), Astrophysiker, ESA – Senior Science Advisor in the Directorate of Science & Robotic Exploration

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Google+ Hangout um 14:00 Uhr:

  • alle Instrumente funktionieren und konnten jeweils Messungen durchführen
  • die Position von Philae ist nach wie vor unbekannt; weitere Bilder von OSIRIS, die um die Zeit des ersten Touchdowns aufgenommen wurden, werden gerade heruntergeladen und müssen daraufhin analysiert werden, ob man die Richtung des Abpralls identifizieren kann. Dann lässt sich die vermutliche Position genauer bestimmen
  • Vieles spricht dafür, dass alle drei Füße von Philae Kontakt zur Kometenoberfläche haben, aber dass Philae von Wänden aus Kometenmaterie umgeben ist
  • nächstes Kommunikationsfenster voraussichtlich gegen 23:00 Uhr MEZ, derzeit meist Verspätung um ca. 1 bis 1,5 Stunden plus Signalverzögerung von 28 min => Kontakt voraussichtlich gegen Mitternacht
  • es ist nicht sicher, ob die Energie der Batterien ausreicht, um dann noch Daten zu übertragen; der Befehl, in den low power mode zu wechseln, wurde nicht korrekt übertragen
  • nur ein Solarpanel bekommt Energie (ca. 1:20 h pro Kometentag), die anderen beiden Panels jeweils nur für wenige Minuten
  • die Batterie benötigt eine Betriebstemperatur von 0°C und muss, weil es auf dem Kometen erheblich kälter ist (ca. -150°C), aufgeheizt werden, um zu funktionieren; reicht die Energie nicht mehr aus, um die Batterie aufzuheizen, friert sie ein und kann dann nicht geladen werden – es wird also mehr Sonnenenergie benötigt, um zunächst die Batterie zu beheizen, damit diese sich dann aufladen kann  – dafür reicht das Stündchen Sonne am Tag aber wohl nicht
  • sollte es heute Nacht eine Verbindung geben, wird man versuchen, Philae zu bewegen, um evtl. eine etwas bessere Ausrichtung zur Sonne zu erreichen. Dies kann z.B. durch eine Aktivierung des Flywheels oder die Rotation der Solarpanels geschehen. Verschiedene Optionen werden noch diskutiert
  • im August wird P67 der Sonne sehr nahe und sehr aktiv sein; möglicherweise reicht dann die Energie aus, Philae nochmal vorübergehend „aufzuwecken“
  • wenn möglich sollen heute Nacht weitere Experimente angestoßen werden, die Philae ausführen kann, sobald ihm Energie zur Verfügung steht
  • alle ermittelten Daten werden von Philae gespeichert und können möglicherweise später noch abgerufen werden
  • bis jetzt konnten etwa 80% der gewünschten Daten ermittelt und heruntergeladen werden
  • Rosetta kann Philae nicht „zu Hilfe“ kommen, weder durch eine Positionsänderung zur Verlängerung der Kommunikationsfenster noch z.B. durch Ablenkung der Sonnenstrahlen auf Philaes Sonnenkollektoren. Dies würde die Rosetta-Mission konterkarieren.
  • trotz der vorhandenen ROLIS-Bilder ist nicht ganz klar, wie weit die Unterseite von Philae vom Boden entfernt ist
  • letzte Bestätigung des Bohrers SD2: er wurde 20cm weit ausgefahren; ob er die Kometenoberfläche erreicht und Proben entnehmen kann, weiß man erst, wenn heute Nacht nochmal Daten übertragen werden können
  • die Schwerkraft auf P67 beträgt etwa 1/100.000 der Erdanziehungskraft, d.h. Philae mit seinen 100kg „wiegt“ dort etwa 1g
  • Philae-Mission ein Riesenerfolg, deren Erkenntnisse erst in den nächsten Monaten und Jahren zu ermessen sein werden

„This is unique and will be unique forever!“
Andrea Accamazzo, Rosetta Flight Director

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Und sonst:

Mittags einkaufen; die nette Verkäuferin getroffen, die nun in der anderen EDEKA-Filiale arbeitet. Kurz geplaudert.

An Arbeit ist irgendwie nicht zu denken heute. Geht eigentlich nicht, aber Konzentration ist mies, was soll ich machen? Mache blöde Fehler, da lasse ich es lieber.

Die Einladung zum Brunch am Sonntag ist abgesagt. Einerseits schade, ich hätte I und B. gerne mal wieder getroffen, andererseits eine Erleichterung, weil ich so die Chance habe, mit dem Magazin erheblich weiter zu kommen.

H. war fast den ganzen Tag bei Kunden, da sich „ein paar Routine-Wartungsarbeiten“ zu einer halben Neuinstallation ausgewachsen haben. Immerhin kocht er abends noch, wenn das auch bedeutet, dass es erst gegen 22:00 Uhr Essen gibt (als ich schon das erste Mal eingenickt bin) und er dann reichlich angeknallt ist. Aber was soll’s, Hauptsache, ich muss das nicht mehr machen.