The Fat Woman

Durch mein Dicksein entspreche ich schon rein äußerlich nicht dem üblichen Frauenbild vom zarten, schwachen, hilfsbedürftigen Geschöpf.

Ich werde auch nicht (zumindest im Großen und Ganzen) als Sexobjekt wahrgenommen. Männer sehen in mir einen Kumpel oder eine Schwester, keine potentielle (Sex-)Partnerin. Natürlich fühlen sie sich von meinen Kurven auch angemacht, aber das zeigen sie meist erst im betrunkenen Zustand. So weit lasse ich es in der Regel aber nicht kommen.

Natürlich hat mich das früher mitgenommen, wenn ich mich in einen Mann verliebt hatte, der zwar gern mit mir zusammen war, mir sein Herz ausschüttete, mit dem ich lachen und Spaß haben und sehr innig sein konnte – der aber eben nicht mehr wollte, mich nicht begehrte, nicht in mich verliebt war. Im Endeffekt bin ich aber froh über die tollen Freundschaften, die ich zu Männern hatte und habe, die eben in mir eher den Kumpel als die Beute sahen. Beziehungen kommen und gehen, Freundschaften bleiben, wenn alles gut geht und es beide Seiten wollen, bestehen und gehen stellenweise sehr viel tiefer.

Ich habe Angst, dass ich, wenn ich Gewicht verliere und meine Figur trotz meines Alters wieder mehr ins „Beuteschema“ von Männern passt, sehr viel mehr von Belästigung betroffen sein werde und sich meine Wirkung auf Männer verändert. Ich habe Angst, dass Männer das Äußere sehen, darauf reagieren und balzen, ohne sich für das Innenleben zu interessieren. Bisher bin ich es gewohnt, für meine Persönlichkeit gemocht zu werden.

Insofern ist der dicke, in den Augen der meisten Leute „unansehnliche“ Körper ein hervorragender Filter für soziale Interaktion: Wer sich mit mir abgibt, ist wirklich an mir interessiert, so scheint es mir zumindest.

Natürlich bin ich auch oft Menschen (Männern) begegnet, die denken, ich würde aufgrund meines dicken Körpers ja sowieso von keinem „mit dem Arsch anguckt“ und sei daher dankbar für jede Form von Aufmerksamkeit, die sie mir großzügigerweise gewähren. Diese „Aufmerksamkeit“ besteht dann in der Regel darin, dass sie einen Mülleimer für ihren Seelenschrott brauchen, jemanden, bei dem sie sich auskotzen können, ohne sich weiterentwickeln zu müssen. Solche Menschen lernen dann sehr schnell, dass sie (jemanden wie) mich dringender brauchen als ich sie.

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The Fat Woman

Ich bilde mir ein, mich mit meinem Gewicht sehr gut arrangiert zu haben.

Ich lege keinen großen Wert auf mein Äußeres; Klamotten und Frisur sind mir ziemlich egal, ich schminke mich nicht. Nicht weil ich unzufrieden mit mir wäre – es interessiert mich einfach nicht. Ich bemerke auch bei anderen seltenst die neue Brille oder Frisur. Veränderte Haarfarben fallen mir (vielleicht) auf. Und interessante Schuhe. Aber sonst?

Ich lasse mich auch nicht von Blicken oder Bemerkungen anderer Menschen beeindrucken. Ehrlich gesagt, habe ich seit Ende der Schulzeit keine negativen oder abfälligen Bemerkungen zu meinem Gewicht mehr gehört, nicht mal „gut“ gemeinte Hinweise von „Freunden“ oder Bekannten, etwas Abnehmen täte mir doch sicher mal gut.

Im Gegenteil, wenn irgendwo Witze oder Sprüche über eine bestimmte dicke Person oder Dicke im Allgemeinen gemacht werden, beziehe ich das oft scherzhaft auf mich und ernte dann meist völlig verwunderte Blicke. Die Leute meines Umfelds scheinen meinen Körperumfang ebenso wenig als störend oder auffällig zu emfinden wie ich.

Oder sie sind einfach extrem höflich 😉

Insofern denke ich oft, ich nehme mein Gewicht eigentlich gar nicht wahr.

Ich bekomme immer noch jedesmal einen Schreck, wenn ich mich in einem Ganzkörperspiegel sehe: Das bin ich?!

Ich fühle mich nicht wie ich aussehe.

The Fat Woman

Ich wiege knappe 100 kg. Bei 163cm Größe. Ich bin fast 50 Jahre alt. Es muss etwas passieren.

Noch habe ich bis auf ein paar Zipperlein keine wirklichen Probleme mit meinem Gewicht, weder physisch noch psychisch.

Klar nervt mich, dass man als Dicke immer für ein bisschen blöd gehalten wird. Manchmal spiele ich damit, manchmal irritiere ich mein gegenüber durch eine hochintellektuelle Bemerkung oder einen ungewöhnlichen Gedanken. Kein wirkliches Problem.

Klar nervt mich, dass es für Dicke kaum bezahlbare interessante Klamotten gibt. Schwarz, weiß, dunkelblau, große Blumen- oder Tier-Prints. Alles nicht meins. Fröhliche Fraben, ungewöhnliche Schnitte, witzige Details? Fehlanzeige, es sei denn ich lege für ein Oberteil Geld im Gegenwert meines monatlichen Lebensmittelbudgets auf den Tisch. Nein, danke.

Klar nervt mich, dass ich in vielen Lehnstühlen echt unbequem sitze, weil sich die Lehnen in meine Oberschenkel bohren. Aber nach Möglichkeit meide ich dann eben solche Sitzgelegenheiten bzw. sitze dann eben mal ein Stündchen unbeuem. Nicht jeder Stuhl kann jedem gut tun.

Klar nervt mich, dass ich keine Kleider ohne Leggings drunter tragen kann, weil ich mir sonst die Oberschenkel wund scheuere. Aber so schön finde ich meine in der Regel bleichen Beine dann auch nicht, dass ich sie unbedingt der Welt präsentieren muss. Und Shorts können auch sehr bequem sein, wenn ich wirklich mal Luft an mich lassen will.

Das sind alles Einschränkungen, die ich aufgrund meines Gewichts habe.

Aber mal ehrlich: So richtig schlimme Sachen sind das alles nicht. Nichts, worüber ich mir die Haare ausreißen und nachts den Mond anheulen würde. Kleine Nervigkeiten, sonst nichts. Einschränkungen, die sich nicht wirklich beschränkend anfühlen.

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Und, weil es so einfach war:

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    • alte Kalender und Tagebücher
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Das sind jetzt sieben von 57 sichtbaren Orten, die ausgemistet wurden. Die ersten 10% sind geschafft!
Etwas ernüchternd: Wenn ich in dem Tempo (1% pro Tag) weitermache, bin ich in drei Monaten fertig – mit den sichtbaren Orten.
Das muss schneller gehen…

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    • Nationalsozialismus
    • DDR-Literatur
    • BRD-Nackkriegsliteratur
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